Das Auge isst mit: Foodstylisten hübschen Essen auf

Da das Auge mit isst, sind Foodstylisten gefragter denn je. Die Präparierung von Lebensmitteln zum Zwecke der Werbung ist inzwischen ein angesehenes Verkaufsinstrument. Foto: © draghicich - Fotolia.com

Da das Auge mit isst, sind Foodstylisten gefragter denn je. Die Präparierung von Lebensmitteln zum Zwecke der Werbung ist inzwischen ein angesehenes Verkaufsinstrument.

Wie wir alle wissen, gibt es seit Jahren die außergewöhnlichsten Berufsbezeichnungen. Anglizismen und Professionalisierungen bestimmen das Metier. Auch der Foodstylist ist ein recht neuer Beruf, der dem "Herausputzen von Lebensmitteln" dient. Zum Zwecke der Werbung suggerieren Foodstylisten dem Endverbraucher ein ästhetisches Bild des beworbenen Lebensmittels. Unser Titelbild kommt nicht von ungefähr, denn wer kennt das nicht? Ein schmackhaft anmutender Burger, den man am liebsten noch auf dem Plakat verzehren möchte, schmückt die Werbebotschaft. In der Hand angekommen, ist nichts mehr davon übrig. Statt pure Knackigkeit und Frische herrschen Tristesse und Labbrigkeit. Doch ist Photoshop allein die Lösung, um den Kunden einen traumhaften Burger schmackhaft zu machen? Nein, Foodstylisten sind die Meister der Täuschung.

Lack, Haarspray, Eischaum und Altöl

Foodstylisten helfen mit Tricks nach, damit Lebensmittel in Prospekten, auf Plakaten und Produktverpackungen ansprechend aussehen. "Für den Verzehr zubereitete Speisen sehen oft nach kurzer Zeit schon nicht mehr ansehnlich aus. Foodstylisten bereiten die Lebensmittel so zu, dass sie vor der Kamera auch mal eine halbe Stunde oder länger gut aussehen. Das Auge isst schließlich mit", sagte Foodstylist Andreas Miessmer dem Portal ZEIT ONLINE. Auch die Tricks deckt er auf. Zwar habe jeder Foodstylist seine eigenen Methoden entwickelt, doch gebe es viele etablierte Varianten. Lack und Haarspray seien ebenso involviert wie Olivenöl als Glanzmittel, Eischaum im Bier und Altöl auf der Schokolade. Doch diese Methoden sind laut Miessmer "immer häufiger unerwünscht". Heutzutage gehe es darum, natürliche Methoden zu verwenden: "Damit etwa eine Tomatensuppe keine Haut bekommt, richte ich sie einfach kalt oder nur lauwarm an", verrät Miessmer. Denn zu sehr gestylte Lebensmittel kommen beim Verbraucher oft nicht mehr gut an.

Eine Ausbildung zum Foodstylisten gibt es ebenso wenig wie ein einheitliches Berufsbild. Der Begriff ist nicht mal mehr eine geschützte Berufsbezeichnung. Entweder finden die Menschen den Einstieg über die Fotografie oder die Gastronomie. "Viele waren Köche, einige Fotografen", so Miessmer. Eine gewisse Affinität zur Fotografie legt der Foodstylist nahe: "Es ist hilfreich, wenn man ungefähr weiß, wie das Licht gesetzt werden muss und welche Verschlusszeit bei den vorhandenen Lichtverhältnissen sinnvoll ist". Weltweit sind schätzungsweise 300 Foodstylisten tätig. Nur die wenigsten sind angestellt, die Mehrzahl arbeitet freiberuflich. Doch ein Nachteil sei das nicht. Die meisten Foodstylisten versichern, mehr Geld zu verdienen, als zum Beispiel ein Koch. Der Schnitt lege zwischen 350 und 1000 Euro Verdienst pro Tag. Doch gebe es manchmal auch ein paar Tage ohne Auftrag.

"Kritisch wird es, sobald die Abbildungen mit der Realität nichts mehr zu tun haben"

Um Lebensmittel besonders schmackhaft aussehen zu lassen, legen Foodstylisten Hand an. Foto: © Simone van den Berg - Fotolia.com

"Es kommt vor, dass man ein Gericht drei, vier oder sogar fünf Mal neu zubereiten und anrichten muss, weil das Ergebnis im Bild nicht gefällt", sagt Miessmer. Insgesamt bezeichnet Miessmer die Arbeit als stressig, lange Arbeitstage mit zwölf oder mehr Stunden seien keine Seltenheit. Kommen wir zum Eingangsthema: Der leckere Burger auf dem Plakat, wie funktioniert das? "Hamburger werden für das Shooting perfekt präpariert. Die Zutaten werden übereinander gestapelt, zurechtgerückt und mit Pappen und Zahnstochern zusammengehalten. Das Fleisch wird nur am sichtbaren Teil gegart, hinten ist es noch roh," verrät Foodstylist Johannes Schalk der WELT.

Verbraucherschützer sind skeptisch, finden das Foodstyling allerdings nicht zwangsläufig verwerflich. "Kritisch wird es, sobald die Abbildungen mit der Realität nichts mehr zu tun haben", sagt Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler.

15. Januar 2015

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