Düsseldorfer Hummerstübchen will weg von der Sterneküche

Peter Nöthel wehrt sich gegen die Sterneküche. Das Hummerstübchen in Düsseldorf bekommt ein neues Konzept. © Africa Studio - Fotolia.com

Peter Nöthel vom Hummerstübchen in Düsseldorf hat die Sterneküche satt. Zwar verlor er in der diesjährigen Ausgabe des Guide Michelin seinen einzigen Stern, nennt dies jedoch nicht als Grund für seine Entscheidung: Nöthel kehrt der Sterneküche den Rücken, baut sein Restaurant gänzlich um und eröffnet es im März 2013 unter einem neuen Namen.

Ende 2012 möchte der Patron das Hummerstübchen schließen. Am 1. März 2013 plant Nöthel die Eröffnung seines neuen Restaurants: Das «Nöthels» soll dann das Licht der Welt erblicken. «Ich möchte die Leichtigkeit des Kochens wieder für mich entdecken und noch einmal durchstarten», sagt Nöthel. «Als Sternekoch war ich stets auf Sicherheit bedacht. Ich glaube, dass ich jetzt befreiter aufkochen werde», so der 52-jährige Patron. Das Wichtigste vorab: Seine legendäre Hummersuppe, die ihn weit über die Stadtgrenzen Düsseldorfs hinaus berühmt machte, will er auch künftig zubereiten.

Seinen ersten Stern bekam Peter Nöthel im Jahre 1988. Damals wurde der begabte Koch mit 28 Jahren zum jüngsten Sternekoch Deutschlands. Bereits 1991 folgte der zweite Stern. Als ihm im vergangenen Jahr der zweite Stern wieder aberkannt wurde, begann Nöthel zu zweifeln. «Ich bot ein Menü für 69 Euro an und verletzte damit ein Gesetz. Seitdem hatte ich immer stärker das Gefühl, auf dieser Schiene nach 27 Jahren nicht mehr fahren zu wollen», geht Nöthel mit den Dogmen und Strukturen des Guide Michelin und der Sterneküche hart ins Gericht.

Nach einem Vierteljahrhundert reicht es ihm. Peter Nöthel schließt sein seit 1988 mit gastronomischen Auszeichnungen gekröntes Hummerstübchen in Düsseldorf-Lörick am Ende des Jahres und eröffnet im kommenden Jahr neu: Günstiger, lockerer und innovativer will er dann kochen. «Wir werden um die ganze Welt kochen. Menüs fallen weg, es gibt höchstens einen Businesslunch. Das verschafft mir und meinen Gästen mehr Freiheit.» Bis auf Co-Küchenchef Peter Liesenfeld, welcher den Betrieb verlässt, bleiben Nöthel alle Mitarbeiter treu. Das sind immerhin sechs in der Küche und vier im Service. Während des Umbaus des Restaurants werden diese zwei Monate bezahlten Urlaub genießen. Dann verschwinden Wände, neue Möbel erhalten Einkehr und die Kapazität wird von 40 auf 60 Plätze aufgestockt. Vom Boden bis zur Decke wird das Restaurant umgekrempelt, renoviert und ausgebaut.

Als Nöthel 1991 den zweiten Stern bekam, folgten auch Zwillinge. «Auf den dritten habe ich dann gern verzichtet», sagt Nöthel. «Ich wollte keine Drillinge!» Beide, Frank und Jana arbeiten inzwischen im Betrieb des Papas mit. In diesem wird es bald keine Menüs mehr geben, dafür wohl einen Mittagstisch, vielleicht eine Terrasse. Auf jeden Fall «sollen unsere Gäste Bock auf das haben, was sie bei uns essen», so Peter Nöthel zu seinem Konzept, auch Wünsche außerhalb der Speisekarte zuzulassen. Aber was, wenn die Tester sich ins Nöthel’s vergucken und ein neuer Stern winkt? «Das wäre das größte Übel für uns», so Nöthel.

20. November 2012

Mehr aus der Kategorie "Aus der Gastronomie"