«Entre les Bras» zeigt Generationswechsel unter Spitzenköchen

«Entre Les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche»: Im Jahre 2009 übergibt Michel Bras die Verantwortung seines mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants im Südwesten Frankreichs an seinen Sohn Sébastien. Im am morgigen Donnerstag (9. August 2012) startenden Kinofilm «Entre les Bras» blickt Regisseur Paul Lacoste hinter die Kulissen eines weltbekannten Restaurants.

Das auf einem Hochplateau gelegene Drei-Sterne-Restaurant ist seit Jahren eines der besten Restaurants in Frankreich. Sohn Sébastien hat 15 Jahre bei seinem Vater Michel Bras gelernt. Als Michel Bras an seinen Sohn übergibt, wechselt ein Gourmet-Tempel den Küchenchef. Ein schwieriges Unterfangen für ein Drei-Sterne-Restaurant, welches diesen Titel bereits seit 1999 trägt.

Michel Bras bleibt präsent

Michel Bras will es zwar ruhiger angehen lassen, aber gewiss nicht in Rente gehen. Dafür liebt der zu den besten Köchen der Welt zählende 65-jährige Franzose sein Restaurant in Laguiole einfach zu sehr. Er bleibt im Hintergrund präsent. Überpräsent. Seine Ehefrau und die Mutter Sébastiens weiß: «Es ist leichter, sich hoch zu arbeiten als oben zu bleiben.»

Regisseur Paul Lacoste begleitet den Prozess des Generationswechsels mit der Kamera und erzählt «Entre les Bras» auf mehreren Ebenen. Das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Michel und Sébastien unterlegt er mit groteskem Humor; entspannt kann es sicher nicht sein. Denn schließlich kämpft das Restaurant Bras um seine drei Michelin-Sterne. Um diese zu halten, muss der neue Küchenchef Sébastien dem Restaurant seinen Stempel aufdrücken. Kopieren darf er seinen Vater nicht, das wäre nicht kreativ genug.

«Zunächst einmal isst das Auge»

«Entre les Bras» zeigt einen kulinarischen Generationswechsel: Michel Bras (l.) übergibt an seinen Sohn Sébastien (r.).

Der introvertierte Sébastien, Jahrgang 1971, der wie der Vater neben seiner für den Service verantwortlichen Frau arbeitet, lernt Tag für Tag von Michel. Michel erklärt seinem Sohn: «Zunächst einmal isst das Auge. Es steckt ein Gedanke dahinter, aber den muss man erst einmal kapieren!» In einer weiteren Szene stellt Sébastien seinem Vater ein neues Gericht vor. Zunächst reagiert Michel reserviert und nörgelt an allem rum. «Es schmeckt besser als erwartet!», lautet das vergiftete Lob – und Michel grinst in die Kamera. Neben der impressionistischen Familiengeschichte präsentiert der Film außerdem die atemberaubende Landschaft des Aubrac im Südwesten Frankreichs. Statt der damals üblichen Eintöpfe, Kutteln oder Würste servierte Michel Bras bereits Ende der 70er-Jahre kulinarische Gedichte wie Makrele mit Johannisbeeren. Seinen legendären Ruf erwarb er sich mit geistig wirkenden Kompositionen aus Produkten, welche er zuvor häufig in feinste Pasten, Gelees und Stängelchen verwandelt hat.

Seine Küche ist der absolute Gegenentwurf zur Molekularküche eines Ferran Adrià, die zuletzt ebenfalls verfilmt wurde (Kinofilm über die legendäre Küche des Restaurants «El Bulli»). Es ist ohnehin ein seltsames Genre, das sich da in den letzten Jahren etablierte. Filme rund um das Thema Essen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Nicht nur die Komödie «Kochen ist Chefsache» und die Doku «Sushi - The Global Catch» erobern den Markt. Auch die Berlinale ist up to date: Unter dem Stichwort «Kulinarisches Kino» widmen die Internationalen Filmfestspiele in Berlin dieser Filmgattung eine Kategorie. Am 7. Februar 2013 startet die 63. Berlinale. Vielleicht ja sogar mit «Entre Les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche» als Preisträger.

09. August 2012

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