EU erklärt Verbot von Olivenöl-Kännchen aus Restaurants und hebt es wieder auf

Das Verbot wurde bereits verkündet: Die EU verbietet ab 2014 offene Olivenöl-Kännchen in Restaurants. Dies hatten die vier größten Produzenten von Olivenöl in der EU gefordert. Doch die Veröffentlichung dieses Verbots sorgte für vehemente Proteste, so dass die EU nun eine Rolle rückwärts macht. Foto: © lamax - Fotolia.com

Das Verbot wurde bereits verkündet: Die EU verbietet ab 2014 offene Olivenöl-Kännchen in Restaurants. Dies hatten die vier größten Produzenten von Olivenöl in der EU gefordert. Doch die Veröffentlichung dieses Verbots sorgte für vehemente Proteste, so dass die EU nun eine Rolle rückwärts machte.

Mit dem ursprünglich geplanten Verbot wollte die Europäische Union Panschereien und Etikettenschwindel verhindern. Um dies zu erreichen, sollte das Olivenöl in Restaurants künftig nur noch in detailreich etikettierten Einwegbehältnissen angeboten werden. Das kuriose Verbot wurde kurz nach der Bekanntgabe in mehreren EU-Ländern heftig kritisiert. Nun setzt die EU zur Kännchen-Wende an: «Der Vorschlag sei in der Öffentlichkeit nicht auf ausreichende Unterstützung gestoßen», so EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos in Brüssel. Ciolos muss sich nun Vorwürfe gefallen lassen, er habe mit seiner Idee nur den Lobbys aus südeuropäischen Produktionsländern nachgegeben, die durch das Verbot auf höheren Absatz hofften. Ciolos verneint: «Das Ziel war, die Qualität zu steigern und nicht die Produktion von Olivenöl».

Zwar ist die Etikettenpflicht in einigen Olivenöl-Anbauländern bereits üblich, doch kommt sie für Europa ein wenig überraschend. «Besser eine späte Einsicht als keine», begrüßte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner, die eines der vielen EU-Länder vertritt, die gegen das Verbot stimmten. Die Bundesregierung hatte das Vorhaben abgelehnt, weil sie neben zusätzlicher Bürokratie auch mehr Lebensmittelabfälle und Verpackungsmüll befürchtete. Nur 15 der 27 EU-Staaten stimmten dafür. Somit erhielt das Verbot nicht die notwendige Mehrheit. Die EU-Kommission räumte ein, sich nicht in ausreichendem Maß mit nördlichen Staaten über das geplante Verbot auseinandergesetzt zu haben. Doch Ciolos will jetzt einen neuen Vorschlag ausarbeiten und dabei auch Verbrauchervertreter und Gastronomie mitreden lassen.

Warum nach der EU-Logik dann nicht auch offener Wein aus den Restaurants verbannt werden soll? Das sei nicht zu vergleichen, denn Wein komme meistens in der Flasche und man trinke ihn zum Essen, während das Olivenöl schon auf dem Tisch stehe. Die Bürokratie lässt grüßen. Dazu hat auch Kommissionspräsident José Manuel Barroso etwas zu sagen. Er ließ wissen, dass die europäischen Bürger immer mehr bezweifeln, dass die EU in der Lage ist, sich um die vordringlichsten Probleme des täglichen Lebens zu kümmern, anstatt sie mit unnötigen bürokratischen Auflagen zu überschwemmen. So hieß es in einem Schreiben an 50 Vertreter der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP). Ciolos kündigte an, sich in den kommenden Tagen mit Mitgliedstaaten, Olivenölproduzenten, Verbraucherorganisationen und Vertretern der Gastronomie zu beraten und dann einen neuen Vorschlag zu machen. Die Europäische Union ist größter Hersteller, Konsument und Exporteur von Olivenöl der Welt.

24. Mai 2013

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