Google kauft Restaurantführer Zagat

Google baut sein Dienstleistungsangebot weiter aus: Wenige Wochen nach dem Erwerb der Mobilfunk-Sparte von Motorola stösst die Google Inc. weiter ins Geschäft mit lokalen Internet-Angeboten vor: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Mountain View (Kalifornien, USA) hat den Restaurantführer zagat.com gekauft. Außerdem betreibt das 1979 von Ehepaar Tim and Nina Zagat gegründete Unternehmen eine dementsprechende Online-Plattform. Google kauft sich damit einen der größten Konkurrenten von Google Places.

Wie die New York Times berichtet, soll Google zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar für Zagat Survey gezahlt haben. Nachdem Tim und Nina Zagat anfangs lediglich Restaurantempfehlungen von Freunden zusammenstellten, fasst ihre Internet-Plattform inzwischen über 30.000 Bewertungen.

Der Restaurantführer Zagat erschließt sich bereits über 100 große Städte: Seit 1979 gibt das Unternehmen kleine Taschenbücher mit Restaurantkritiken heraus. Bei Google werden die Inhalte auf Google Places eingebunden; Zagat wird die Google-Dienste mit Tipps zum Essen, Einkaufen und Reisen füllen.

Nach dem Streit mit dem USA-Marktführer der Restaurantplattformen Yelp, könnte Google mit dem Kauf eine große Lücke im eigenen Angebot geschlossen haben. Im Vergleich zu Zagat verzeichnet Yelp zwar sehr viel mehr Klicks, dafür ist der Ruf des Familienunternehmens Zagat Survey der eindeutig Bessere.

Tim und Nina Zagat gründeten den Restaurantführer Zagat im Jahre 1979. Nun dürfen sie sich nach dem Verkauf des Produktes an Google über einige Millionen US-Dollar Taschengeld freuen. Foto: Michael Falco (The New York Times)

Vor zwei Jahren scheiterte Google mit einer Offerte in Richtung Yelp. Rund eine halbe Milliarde US-Dollar standen als Kaufsumme im Raum: Zu viel, wie Google befand. Mit dem Misserfolg im Rücken startete Google im vergangenen Jahr den eigenen Bewertungsservice Google Places, ein Angebot, welches sich nie wirklich gegen die Konkurrenz durchsetzte.

Zagat wird in Google Places integriert

Google-Managerin Marissa Mayer bestätigte den Kauf per Twitter. Die Beurteilungen von Zagat werden künftig in Google Places zu finden sein, so Mayer. Außerdem will sie die Zagat-Inhalte eng mit der Suchmaschine und Google Maps verknüpfen.

In den letzten Jahren entwickelte sich die lokale Werbung zu einem lukrativen Geschäft: 20 Prozent aller Suchen sollen auf lokale Ziele ausgerichtet sein, bei Smartphones sei der Anteil der lokalen Suchen noch höher.

Tim und Nina Zagat bleiben im Unternehmen

Nachdem die Zagats bereits 2008 versuchten, das Unternehmen zu verkaufen, hat es nun endlich geklappt: Das Geschäft mit Google beschreiben die Zagat-Gründer Tim und Nina Zagat als eine Win-Win-Situation. Beide werden weiterhin Mitvorsitzende des Unternehmens bleiben, auch bleiben die Hauptseite der Internetplattform und die Buchform des Restaurantführers nach wie vor bestehen.

Der Restaurantführer Zagat baut auf das Prinzip des Crowdsourcings auf, wonach er Bewertungen seiner Besucher verwertet und druckt. Das Crowdsourcing bekommt eine immer größte Bedeutung im Online-Markt. Während Yelp in den USA der Marktführer ist, bezeichnet man in Deutschland Qype als solchen.

Mit den Inhalten der Besucher in der Tasche, macht sich Google nun auf, seine Produktpalette weiter zu entwickeln: Vor allem die Smartphone-Sparte ist im Visier. Die Funktion des Smartphones, als Entscheidungshilfe innerhalb weniger Minuten zu dienen, wird immer größer. Wo gehe ich jetzt, hier in dieser Stadt im Umkreis von hundert Metern etwas essen? Google gibt darauf schon jetzt Antworten; dank Zagat werden diese allerdings detaillierter.

Während Yelp in den USA kostenfrei ist, können bei zagat.com nur Teile des Angebots ohne Abonnement genutzt werden. 350.000 Personen teilen ihre Inhalte bei Zagat, bei Yelp sind es viele Millionen. Allerdings werden die Zagat-Bewertungen redaktionell überarbeitet und sortiert, die von Yelp nicht. Die Zagat-App (8 Euro) bietet neben Bewertungen auch Fotos und Speisekarten vieler Restaurants.

Dass Google einen Datenschatz aufkauft, ist nicht neu. Die Politik des Unternehmens war es bislang stets, diesen Datenschatz anschließend an die Nutzer zu verschenken: Als Dank für ihre Aufmerksamkeit für Googles Verdienstquelle Nummer eins: Werbung.

14. September 2011

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