In Berlin werden Toilettenhäuschen zu Restaurants

Ein Restaurant in einer Toilette? In Berlin anscheinend nichts Außergewöhnliches. Die Geldknappheit der Hauptstadt hat der Gastronomie ungewöhnliche Restaurants beschert. So liegt es im Trend, dass Toilettenhäuschen umfunktioniert werden.

Auch aufgrund der ehemaligen Nutzung des Backsteingebäudes waren die Anwohner in Berlin-Friedrichshagen zunächst skeptisch. Foto: Restaurant Domaines

Alexandra von Scholz konnte ihre Geschäftspartnerin zumindest nicht auf Anhieb von ihrer Idee überzeugen, ein französisches Restaurant in einer öffentlichen Toilette zu installieren. Aber «der Standort war so gut», schwärmte von Scholz. Das historische Gebäude am Berliner Müggelsee schien perfekt, so dass sich die Beiden für das Toilettenhäuschen entschlossen. Moules-frites (Muscheln mit Pommes frites) und Wolfsbarsch sollten den Weg auf die Speisekarte finden. Dafür funktionierten die Freundinnen eine «komplett heruntergekommene Toilette» in ein französisches Restaurant um. Natürlich herrschten ob des wagen Versuchs Zweifel bei den Beiden.

Anwohner waren skeptisch

Nicht nur aufgrund der ehemaligen Nutzung des Backsteingebäudes waren die Anwohner in Berlin-Friedrichshagen zunächst skeptisch. Auch die französische Küche bereitete ihnen Sorgen. Nun, neun Jahre später haben Alexandra von Scholz und ihre Geschäftspartnerin alles richtig gemacht. Das Restaurant Domaines läuft gut.

Vor allem die Geldknappheit bringt Berliner Gastronomen immer wieder dazu, kreativ zu werden. So kommt es immer öfter vor, dass öffentliche Bedürfnisanstalten umfunktioniert werden. Die Toilettenhäuschen wurden zunächst durch die Berliner Stadtreinigung verwaltet, bis die Reinigungsfirma Wall in den neunziger Jahren die Toiletten übernahm. Die Renovierung der Häuschen ging allerdings in die Hunderttausende, so dass Wall im Gegenzug Werbeflächen erhielt. Als jedoch keine Außenwerbung mehr genehmigt wurde, musste die Verwaltung andere Betreiber finden.

Toiletten-Imbiss unter der Hochbahnbrücke

Auch der Imbiss Burgermeister am Schlesischen Tor hat eine ähnliche Geschichte wie das Restaurant Domaines aufzuweisen. Der Imbiss im Stadtteil Kreuzberg wurde ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts als öffentliche Toilette erbaut. Vor sechs Jahren gewannen die Besitzer Cebrail Karabelli und Cecilie von Reibnitz eine Ausschreibung des Bezirksamts. Das einstige Urinal ist inzwischen ein erfolgreicher Imbiss und der absolute Besuchermagnet unter der Hochbahnbrücke. Hier müssen die Kunden Schlange stehen, wenn sie ein Hacksteak im Brötchen bekommen wollen.

Gerne würden die Mitarbeiter ein paar Bilder zur Historie des Imbisses aushängen. Was dies betrifft, sagt Anja Meichsner, eine Mitarbeiterin des Imbisses, dass «man immer aufpassen muss, dass kein Ekel entsteht». Sie denkt, dass das Wissen um das damalige Pissoir für viele Kunden «nicht so ganz» mit dem coolen Image von heute übereinstimmt. Die achteckigen Gebäude, in denen damals Toiletten untergebracht waren, gibt es also auch heute noch. Über 20 zieren die deutsche Hauptstadt. Manche umfunktioniert, manche nicht. Eines der liebevoll Café Achteck genannten Gebäude steht auch heute noch am Gendarmenmarkt. Hacksteaks gibt es hier nicht. Vielmehr können sich die Bürger dort erleichtert.

07. Dezember 2012

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