«In den meisten Restaurants werden die Gäste ausgenommen»

Wie das Fachportal www.best-of-wine.com meldet, trinkt jeder Deutsche durchschnittlich 20,5 Liter Wein pro Jahr. Foto: © stokkete - Fotolia.com

Spätestens mit seinem Wein-Blog im Internet (www.weinamlimit.de) erlangte der 44-jährige Hendrik Thoma branchenspezifische Bekanntheit. Thoma ist seit mehr als 20 Jahren in der Weinbranche aktiv und war sogar Sommelier im Jacobs Restaurant im Hotel Louis C. Jacob in Hamburg. Thomas Blog ist ein Video-Wein-Blog mit dem erklärten Ziel, den Besuchern einen authentischen Blick auf die Weinbranche zu bieten.

«In manchen Restaurants werden die Gäste gnadenlos abgezockt», so Hendrik Thoma. Der als bester Weinexperte Hamburgs geltende Thoma wirft den Gastronomen Abzocke vor. Insbesondere beim Wein sei die Preispolitik der Gastronomie selten zu verstehen. «Das Problem ist, dass viele Gäste keine oder wenig Ahnung von Wein haben. Das wird in vielen Lokalen gnadenlos ausgenutzt», fügt der Experte seiner These an. Der als üblich anzusehende «Faktor 5» wird in den meisten Restaurants absolut überzogen.

Kauft der Gastronom eine Flasche Wein für fünf Euro, so bietet er diese für 25 Euro an; das sei normal. Die Realität sieht allerdings oftmals anders aus. In vielen Restaurants wird das Zehnfache des Einkaufspreises verlangt. Als Beispiel ist das Restaurant des TV-Kochs Steffen Henssler zu nennen. In seinem Henssler & Henssler am Hamburger Fischmarkt wird ein 0,2-Liter-Glas des Grauburgunders des Pfälzer Winzers August Ziegler für 7,80 Euro verkauft. Eine Flasche mit einer Füllung von 0,75 Litern ist für den Endverbraucher jedoch schon für unter fünf Euro zu ergattern. Der Gastronom hingegen zahlt in der Regel nur circa zwei Drittel des Preises der Endverbraucher. Das wären etwa 3,30 Euro pro Flasche, womit Steffen Henssler für seine Gäste circa das Neunfache berechnet.

Weinexperte Thoma nennt die Preispolitik mancher Gastronomen schlicht «Wucher». «Solch hohe Preise für Entkorken und Ausschenken? Das ist nicht gerecht», so Hendrik Thoma. Der 44-Jährige glaubt, dass diese Preispolitik auf Dauer nicht funktioniert. Weinpreise seien schließlich im Internet zu recherchieren. Schwierig wird es hingegen, wenn in manchen Restaurants nur ein «Riesling» oder ein «Pinot Grigio» auf der Karte stehen. Hier sind die Qualität des Produktes und der Einkaufspreis für den Gastronomen gänzlich unbekannt.

In London oder New York läuft es anders, wie Hendrik Thoma weiß. Dort hat er viele Lokale besucht und kann berichten, dass «in vielen Lokalen der Wein zum Ladenpreis ausgeschenkt und mit einer Gebühr von circa 10 bis 15 Euro belegt wird.» Das sei okay. Doch auch in Hamburg gibt es, so Thoma, natürlich viele Lokale, die fair kalkulieren. «Das sind vor allem Restaurants, wo der Patron selbst Weinkenner ist.»

06. August 2012

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