Nach Streit: Vielerorts heißt „Hans im Glück“ jetzt „Peter Pane“

Mit „Peter Pane“ möchte Patrick Junge zunächst den deutschen Norden einnehmen.
Mit „Peter Pane“ möchte Patrick Junge zunächst den deutschen Norden einnehmen.

Durch die Trennung von einem Franchise-Partner hat sich die Burger-Kette „Hans im Glück“ einen Konkurrenten geschaffen: Auf Rügen hat das erste „Peter Pane“ eröffnet.

Wie wir berichteten, hat sich die ambitionierte Burgerkette „Hans im Glück“ von ihrem größten Franchisenehmer getrennt und dadurch 12 ihrer 45 Filialen verloren. Der ehemalige Lizenzpartner Patrick Junge macht nun auf eigene Faust weiter: Auf Rügen hat das erste „Peter Pane“ eröffnet. Bis zum Jahresende möchte der Lübecker mit seinem Burgergrill „Peter Pane“ etwa 15 weitere Restaurants eröffnen. Warum eigentlich „Peter Pane“? Dafür hat der 38-jährige Junge eine Erklärung: Peter Pan symbolisiere das Gefühl von Freiheit und Entfesselung, weil er er fliegen könne. „Das Pane deutet auf meine Wurzeln aus dem Bäckereigeschäft hin“, erklärt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Der 38-jährige Patrick Junge ist ehemaliger Chef der Bäckerei Junge, einem riesigen Unternehmen mit rund 170 Filialen.

Doch was haben die neuen „Peter Pane“-Filialen zu bieten? Zumindest sehen die „Peter Pane“-Restaurants der Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH keinem Wald ähnlich. Der Konkurrent „Hans im Glück“ setzt auf Waldoptik: Birkenstämme und grün-braune Töne bestimmen die Inneneinrichtung des 2010 gegründeten Unternehmens. Bei „Peter Pane“ gibt es eher Naturholz, Messingböden, Vogelkäfige und urige Tapeten. Außerdem stünden nun mehr vegane und vegetarische Gerichte auf der Speisekarte, wie Junge verrät. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung betonte Patrick Junge die Qualität der Rohstoffe: „Unser Fleisch kommt aus Deutschland, das Rindfleisch aus kontrollierter Haltung und das Geflügel aus ökologisch kontrollierter Haltung.“ Auch auf regionalen Bezug legt Junge viel Wert: Die Goldhähnchen kommen aus Ostwestfalen, der Küsten-Bernsteinkäse aus Norddeutschland, das Brot aus der eigenen Familienbäckerei.

Junge glaubt an die Zukunft des Burgers

Patrick Junge glaubt an eine lange Zukunft des Burgers. Denn der sei „praktisch, lecker und bietet fast unbegrenzte Kreationsmöglichkeiten“, so Junge im Gespräch mit SPIEGEL Online. Ein Filet sei irgendwann perfekt - den Burger hingegen könne man immer an sich verändernde Geschmäcker anpassen. Und selbst wenn Burger irgendwann nicht mehr das absolute Erfolgsrezept sind - damit hat Junge kein Problem: „Es kann sein, dass der Burgeranteil auf unserer Karte in den nächsten Jahren sinkt und der Salatanteil höher liegt“, sagt Junge.

Bis zum 11. April sollen alle zwölf ehemaligen „Hans im Glück“-Filialen unter dem Namen „Peter Pane“ neu eröffnet werden. Rund 200.000 Euro investierte das Unternehmen Paniceus pro Filiale. Ein Schritt, der mit Loyalität belohnt wurde: In den zwölf erwähnten Filialen blieben die Teams komplett. Und das, obwohl Junge einen echten Neustart möchte: „Wir wollen raus aus der Vergleichbarkeit und keinesfalls eine billige Kopie von Hans im Glück werden“, so Paniceus-Geschäftsführer Patrick Junge. „Dazu gehörten ein 100-prozentiger Austausch der Lieferanten, eine glaubwürdige Marken-Story, ein anderer Ladenbau, eine überarbeitete Karte inklusive adaptierter Arbeitsabläufe.

Pro Jahr möchte Junge rund fünf bis sechs neue Restaurants eröffnen. Im kommenden Jahr will Paniceus darüber hinaus die erste Franchise-Lizenz vergeben. „Wir werden unseren Gästen weiterhin neben anderen Speisen hochwertige Burger und erstklassige Cocktails anbieten“, erklärt Patrick Junge. Doch auch sein ehemalige Franchisegeber „Hans im Glück“ hat große Pläne. Wie Gründer und Geschäftsführer Thomas Hirschberger der tz München verriet, möchte das Unternehmen seine Marktposition deutlich ausbauen: „Uns liegen zahlreiche Anfragen in Top-Lagen vor, die wir derzeit genau prüfen“, so Hirschberger. Doch der Fokus liegt im Norden: „Nach der Trennung von unserem Systempartner im Norden arbeiten wir mit Hochdruck daran, gerade in dieser Region neue Standorte zu erschließen. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte werden wir unser einmaliges Burgerkonzept auch wieder im Norden etablieren“, so Hirschberger. Derzeit betreiben 16 Franchise-Partner von „Hans im Glück“ 34 Burgergrills in 19 Städten. Bis zum Sommer sollen 20, bis zum Jahresende sogar 40 bis 50 neue Filialen hinzukommen. In Deutschland sieht Hirschberger das Potenzial für 300 bis 500 Filialen. Zum Vergleich: McDonald's hat in Deutschland rund 1500 Filialen.

11. März 2016