Neues Gastronomiekonzept in Wiesbaden - das erste Zeitcafé

Foto: Slow Time, Wiesbaden
Nun wird die Kaffeehauskultur Wiesbadens durch ein völlig neuartiges Konzept bereichert, nämlich mit «Slow Time», dem ersten deutschen Zeitcafé. Foto: Slow Time, Wiesbaden

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden gibt es ein vielseitiges gastronomisches Angebot. Von der Sternegastronomie bis zu urigen Weinstuben ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.

Man findet dort nicht nur zahlreiche Restaurants, gemütliche Bistros und szenige Bars, sondern auch schöne Cafés, in denen man verweilen und sich ein Stück Kuchen gönnen kann. Doch jetzt wird die Kaffeehauskultur Wiesbadens durch ein völlig neuartiges Konzept bereichert, nämlich mit «Slow Time», dem ersten deutschen Zeitcafé.

Idee und Konzept stammen aus Russland

In diesem Café, das von der Russin Daria Volkova eröffnet wurde, bezahlen die Kunden nicht für das, was sie konsumieren, sondern lediglich für die Zeit, die sie dort verbringen. Dabei kostet eine Minute fünf Cent, eine Stunde drei Euro und Kaffee und Gebäck gibt es dafür gratis. Das Konzept stammt ursprünglich aus Moskau und hat sich dort erfolgreich etabliert. Im Zentrum der russischen Metropole befinden sich schon einige dieser speziellen Lokalitäten, in denen sich die Gäste von ihrem hektischen Alltag erholen können. Nicht nur die Getränke und Snacks sind dort kostenlos, sondern auch das zusätzliche Angebot, wie etwa vorhandene Gesellschaftsspiele und Bücher sowie dort stattfindende kleine Ausstellungen und Live-Auftritte.

Im Slow Time soll man zur Ruhe kommen

In dem urigen Café in Wiesbaden geht es darum, völlig vom hektischen Alltag abzuschalten. Foto: Slow Time, Wiesbaden

Mitte April wurde etwa 500 Meter von der Fußgängerzone entfernt, in der Nerostraße 39 das erste deutsche Zeitcafé eröffnet. Ihre Besitzerin Volkova glaubt, dass das russische Konzept auch hier ein Erfolg wird, da sich die Menschen heute nach der Entschleunigung ihres Alltags sehnen und das Café damit dem Zeitgeist entspricht. Eingerichtet ist es gemütlich wie ein Wohnzimmer mit Kerzen auf den einzelnen Tischen. Ein Kontrabass liegt auf dem Boden, auf dem der Mitinhaber des Cafés manchmal sogar spielt. Die Wände sind mit Papierfaltern und Uhren, die absichtlich unterschiedliche Zeiten anzeigen, dekoriert und in den Regalen findet man Gesellschaftsspiele und Bücher, die man sich ausleihen kann. Wer mag, darf seine Schuhe ausziehen und in bequeme Pantoffeln schlüpfen. Mit W-LAN, das schon in der Zeitpauschale enthalten ist, kann man auch mit seinem Laptop oder Tablet surfen. An einem Tisch mit Kaffee, heißem Wasser zum Teemachen und Milch soll man sich kostenlos bedienen, aber auch selbst mitgebrachte Speisen und Getränke dürfen im Slow Time verzehrt werden.

Eine Idee, die sich in Deutschland erst etablieren muss

Foto: Slow Time, Wiesbaden
Foto: Slow Time, Wiesbaden

Das Café ist Montag bis Samstag, jeweils von 12 bis 21 Uhr geöffnet und kostet für die erste halbe Stunde zwei Euro Eintritt. Anschließend zahlt man pro Minute 5 Cent. Betritt man das Lokal, wird die aktuelle Uhrzeit auf einem Bändchen notiert und beim Verlassen entsprechend abgerechnet. Das Slow Time ist rund 70 Quadratmeter groß, hat keine Küche und beschäftigt eine Servicemitarbeiterin. Laut der Inhaberin Daria Volkova rechnet sich das ungewöhnliche Konzept ab 11 Gästen pro Stunde. Bis jetzt mangelt es noch an Besuchern, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Idee in Deutschland noch unbekannt ist und sich erst noch herumsprechen muss. Um Passanten aufmerksam zu machen, hängen zwei Plakate an den Fenstern des Cafés, die die ungewöhnliche Idee des Lokals zu erläutern. Zukünftig finden dort auch regelmäßig Konzerte und feste Spieleabende statt. Auf alle Fälle sollten sich die Wiesbadener diese neue Art von Kaffeehaus mal anschauen.

07. Juli 2013

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