Restaurant in Hamburg: Hausverbot für Kritiker und Foodblogger

Foodblogger und Gastronomen kommen selten miteinander aus. Doch ein Restaurant in Hamburg gießt zusätzliches Öl ins Feuer: Restaurantkritiker und Foodblogger haben dort Hausverbot.

Seit Jahren ist die Stimmung zwischen den Foodbloggern und deutschen Spitzengastronomen angespannt. Das liegt oftmals in der Natur der Sache, lässt sich allerdings vermeiden. Zum Beispiel ist das Verhältnis zwischen Gastronomen und Kritikern in der Schweiz deutlich besser. Das liegt - so lautet der Tenor - an der höheren Qualität der Beiträge. Aber dass man an einem zwischenmenschlichen Verhältnis arbeiten kann, scheint am Restaurant Heldenplatz in Hamburg gänzlich vorbeigegangen zu sein. Denn das Restaurant lässt nicht den geringsten Zweifel an seiner Haltung gegenüber Foodbloggern und Restaurantkritikern: „Restaurantkritiker im Dienst haben keinen Zutritt. Foodblogger unerwünscht" lautet der Wortlaut eines unübersehbar angebrachten Aushangs.

Klar, irgendwo ist es nachzuvollziehen. Wer möchte sich schon ständig über die Schultern schauen lassen? Nichts anderes machen Restaurantkritiker und in der Regel auch Foodblogger. Sie nehmen die Stimmung, die Speisen, die Getränke und weitere Umstände wahr und formulieren ihre Eindrücke in Worte. Da kann man sich als Gastronom schon mal falsch beurteilt fühlen. Doch ist es der richtige Schritt, potenzielle Quertreiber sofort auszusortieren, ihnen gar ein Hausverbot zu erteilen?

Jeder Mensch ist ein Held

Die drei Inhaber des Restaurants Heldenplatz in Hamburg, Markus Hampp, André Jean-Marie Nini und Julia Stevens, fühlten sich offensichtlich derart auf den Schlips getreten, dass sie Restaurantkritiker und Foodblogger ein für allemal aus ihrem Restaurant verbannten. Bis dato war immer wieder von Köchen zu hören, die sich Gedanken um ihre Speisen machen, wenn diese ausnahmsweise mal nicht fotografiert werden. In Zeiten des Food Porns scheint dieser Gedanke gar nicht mal abwegig. Doch im Restaurant Heldenplatz ist es genau andersherum. Hier verbannt man jeden, der Kritik übt - egal ob positiv oder negativ. Dabei erklären die Gastgeber auf der Internetseite des Restaurants, dass jeder „Mensch ein Held" sei. Foodblogger und Restaurantkritiker gehören allerdings anscheinend nicht dazu.

Dabei hat das Restaurant an sich einiges zu bieten. Eine geradlinige, edle und zurückhaltende Einrichtung mit hohen Decken und schönem Stuck sorgt für ein außergewöhnliches Flair. Und das Essen? „Casual fine dining" im französischen Stil wird hier angeboten. Auf der Speisekarte befinden sich wohlklingende Speisen wie Kabeljau von den Lofoten, Adlerfisch oder geschmortes Schaufelstück vom Rind. Der Service ist charmant, die Weine hervorragend. Wir können sogar noch etwas Positives schreiben: Das Restaurant bietet seine Speisen bis zwei Uhr nachts an. Aber eine Frage stellt sich noch: Dürfen wir das überhaupt schreiben?

12. Juli 2016

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