Restaurant-TÜV auf dem Vormarsch

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Blick in die Küche bleibt den Gästen eines Restaurants meist verborgen; was für viele Gastronomen ein Segen ist, scheint für Gäste eher unschön. Allzu oft wird das Vertrauen der Gäste beim Besuch eines Restaurants missbraucht, warnen Verbraucherschützer. Der falsche Umgang mit verderblichen Lebensmitteln oder mangelnde Hygiene können gesundheitsschädlich sein. Da die bisherigen Lebensmittelkontrollen nicht ausreichend seien, soll ein bundesweiter Restaurant-TÜV für Abhilfe sorgen.

Die geplanten TÜV-Plaketten sollen den Verbraucher mit Hilfe der Farben grün, gelb und rot über den Zustand des Restaurants informieren. Der Restaurant-TÜV könnte so für mehr Transparenz im Sinne des Verbrauchers sorgen und somit den ein oder anderen Restaurantbesuch sicherer machen. «Die Verbraucher sollen - bildlich gesprochen - in die Küche schauen können, das ist wichtig für ein gutes Gefühl», sagt NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel.

Wie soll der Restaurant-TÜV funktionieren?

In allen geprüften Restaurants soll künftig eine Plakette hängen, die in rot, gelb, oder grün über den dementsprechenden hygienischen Zustand des Restaurants informiert. Anstelle der zunächst bundesweit geplanten, bereits in Berlin, Nordrhein-Westfalen und im Ausland praktizierten Smiley-Kennzeichnung, wird es das grün-gelb-rote Balken-Symbol geben. Dabei steht grün für «Anforderungen erfüllt», gelb für «Anforderungen teilweise erfüllt» und rot für «Anforderungen unzureichend erfüllt».

Die Umsetzung des Systems soll spätestens Anfang 2012 erfolgen. «Bisher sind 13 Länder dafür, Bayern und Schleswig-Holstein sind dagegen, Baden-Württemberg hat sich enthalten», sagt Remmel.

Schöne Restauranteingänge könnten verschandelt werden: Die Plakette des Restaurant-TÜVs wird spätestens ab 2012 die Türen vieler Restaurants "schmücken".

Wie oft sind Lebensmittelkontrollen negativ?

Von den deutschlandweit rund eine Million Gastronomiebetrieben haben Lebensmittelkontrolleure in etwa 30 Prozent der Fälle etwas zu beanstanden. Dabei zählen einfache Imbisse genauso zur Statistik wie noble Restaurants. Herr Dr. Zengerling, seines Zeichens Berliner Lebensmittelkontrolleur, nennt oft Unwissenheit als Grundlage des Regelverstoßes: «Gastronomen kennen die einfachsten Hygieneregeln nicht, sie wissen oft nicht mal mehr, bei welchen Temperaturen Lebensmittel zu lagern sind»

Ein in Deutschland vorherrschendes Problem: Seit 2004 kann Jedermann einen gastronomischen Betrieb eröffnen. Dafür sind keine beruflichen oder fachlichen Qualifikationen erforderlich. Da wundert es keinen Lebensmittelkontrolleur, dass die Gastronomen oft überfordert sind. Um daran was zu ändern, brauche es mehr Transparanz, sagt Zengerling. Denn: Abmahnungen und Bußgelder würden häufig nicht abschrecken.

11. April 2011

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