Restaurantbesuch ohne Reservierung kaum möglich

Immer mehr Restaurants sind bereits mehrere Tage oder Wochen im Voraus ausgebucht. Spontan essen gehen wird eine immer anspruchsvollere Aufgabe. Was für Gastronomen ein Segen ist, kann für den Gast zum Fluch werden.

In der Spitzengastronomie ist es üblich, dass die Gastro-Hotspots oft über ein Jahr im Voraus ausgebucht sind. Doch inzwischen ist es auch in mehr oder weniger normalen Restaurants kaum möglich, spontan essen zu gehen. Wer einen Abend im Restaurant verbringen möchte, der muss meist viele Tage im Voraus reservieren. Vor allem in Großstädten beschweren sich immer mehr Gäste über die Inflexibilität einiger Restaurants.

Florian Faltenbacher, Betreiber des Restaurants Kalypso in München, äußerte sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Die Ausgehkultur ist anders geworden - vor fünfzehn, zwanzig Jahren hat man in ganz noblen Restaurants reserviert, aber nicht beim Griechen“. Es ist also das Ausgehen an sich, was sich zum Trend entwickelt hat. Während es früher eher hochwertige Speisen und Spirituosen waren, welche die Leute vor die Tür gelockt haben, ist es heute eher der Lifestyle. „Es ist aber durchaus so, dass man in München am Wochenende auch spontan Essen gehen kann. Früh um 18 Uhr geht immer was, und später auch wieder. Nur um 20 Uhr ist es eben schwierig“, so Faltenbacher weiter. Gelegentlich sei es sogar üblich, einen Tisch am Wochenende zweimal zu vergeben.

„Sorry, wir sind ausgebucht.“ Ein Satz, den vor allem in Großstädten immer mehr Restaurantgäste zu hören bekommen.

Wie Markus Thatenhorst, Betreiber der Münchner Restaurants Theresa, Occam Deli und Seerose, der Süddeutschen Zeitung verriet, spürt er eine deutliche Veränderung des Ausgehverhaltens: „Wenn ein Lokal vor zehn Jahren mal ausreserviert war, bin ich fast angemacht worden: Warum lasst ihr nicht ein paar Tische frei für Spontane? Heute wird das als die Regel akzeptiert.“ Thatenhorst fragt seine Gäste ob es okay sei, wenn der Tisch im späteren Verlauf des Abends nochmal reserviert ist. Das Restaurant Matsuhisa im Mandarin Oriental vergibt seine Tische standardmäßig zweimal an einem Abend. Thatenhorst erwähnt, dass dies in anderen Großstädten, wie zum Beispiel London oder New York, bereits gang und gäbe sei. In Kopenhagen habe er erlebt, dass ein Tische pro Abend sogar dreimal vergeben werden.

Ein Restaurantbesuch darf eben heutzutage nicht mehr nur eine Nahrungsaufnahme in einem schönen Ambiente sein. Essen gehen ist vielmehr eine Freizeitaktivität geworden. Kaum jemand möchte sich noch darauf verlassen, dass das Lieblingsrestaurant einen Tisch frei hat. Denn schließlich könnte man ja dann in einem Laden landen, denn man nicht mag. Also wird reserviert - und das oft Wochen im Voraus. Faltenbacher bemerkt gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass sich das „essen gehen immer mehr aufs Wochenende verlagert

Für die, die partout nicht reservieren möchten, hat Thatenhorst noch einen Tipp: „Wenn man nicht mit der Erwartung kommt, sofort einen Tisch zu ergattern, dann geht fast immer was“.

07. März 2016

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