Schwingshackl ESSKULTUR in Bernried erhält zweiten Michelin-Stern - und schließt

Foto: Busche Verlagsgesellschaft mbH
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Im Oktober die Auszeichnung des «Großen Restaurant & Hotel Guides 2012», im November die Zwei-Sterne-Auszeichnung des «Guide Michelin». Drei Wochen später ist das Restaurant Schwingshackl ESSKULTUR in Bernried nun geschlossen. Da Michelin-Sterne an das Restaurant gebunden sind, verliert Küchenchef Erich Schwingshackl seine beiden Sterne, die er sich andernorts neu erkochen muss.

Schwingshackl, auch Geschäftsführer, verlässt das im Hotel «Reblinger Hof» gelegene Restaurant zum Jahresende. In einer Gesellschafterversammlung wurde über das zukünftige Konzept des niederbayerischen Hotels entschieden, welches der Zwei-Sterne-Koch nicht unterstützt. Hotelchef und Schwager Schwingshackls, Peter Krauß, lancierte das Thema öffentlich in den Medien, als er betonte, ein zweiter Stern verlange neue Investitionen. Auch müssten die Preise angezogen werden, aber «einen Preisanstieg verträgt die Region nicht», so Peter Krauß. Eine Einstellung, welche Schwingshackl nicht teilt.

Erich Schwingshackl und seine Lebensgefährtin Katharina Krauß (Sommelière des Jahres) hätten gerne mehr von ihrer Feinschmecker-Küche präsentiert; Hotelchef Krauß hingegen verlangt eine einfache Küche: Eine Meinungsverschiedenheit, die nicht zu lösen ist.

Michelin-Sterne sind kein Zeichen für teure Kost

Im Jahre 2006 wurde das Restaurant Schwingshackl ESSKULTUR eröffnet. Im Hotel der Familie Krauß sorgte Küchenchef Erich Schwingshackl schnell für Furore, als der «Guide Michelin» das Restaurant zunächst mit einem Stern auszeichnete. Mit der Zwei-Sterne-Auszeichnung, die der Restaurantführer dem Restaurant vor einigen Wochen verlieh, stieg das Schwingshackl ESSKULTUR zu den acht besten Restaurants in Bayern auf. «Die Zwei-Sterne-Auszeichnung war ein Traum», so Erich Schwingshackl.

Nun, nur wenige Wochen später, ist der Zwei-Sterne-Koch auf der Suche nach einem neuen Objekt. «Ich werde meinen Kochstil sicherlich beibehalten. Für mich hat ein Stern nichts mit dem Preisgefüge des Restaurants zu tun», so der Koch aus Südtirol. Ähnlich sieht man dies beim «Guide Michelin». Die Anzahl der Sterne gebe keine Auskunft über die Ausstattung eines Restaurants, so Michelin-Sprecherin Susanna Knapp.

Zweiter Stern als Last

War es der zweite Stern, der zum Ende führte? «Wir hätten ausbauen und investieren müssen. Vor allem hätten wir auch teurer werden müssen. Ich bezweifle allerdings, dass die Kundschaft das akzeptiert hätte», sagte Peter Krauß gegenüber der Passauer Neuen Presse. Und weiter: «Diese hochwertige und hochpreisige Küche ist an einem kleinen, abgeschiedenen Ort nicht machbar.»

Gemeinsam mit Krauß' Bruder Peter und dessen Frau Christina führten Erich Schwingshackl und Lebensgefährtin Katharina Krauß das Haus seit dem Jahre 2006. Nun, fünf Jahre später, ist Schluß. Zum Jahresende scheiden Erich Schwingshackl und Katharina Krauß aus. Wohin der Weg das Paar führt, welches sich bei Heinz Winkler, wo beide arbeiteten, kennenlernte, ist bislang noch unklar.

Allerdings sind sich Kenner der Szene einig, dass die beiden schon bald wieder in einem deutschen Spitzenhaus tätig sein werden. Schwingshackls Speisen gelten in Gourmetkreisen als einzigartig. Der 41-jährige Zwei-Sterne-Koch greift bewusst zu qualitativ hochwertigen Zutaten wie Trüffel und Hummer, richtet aber auch mal Fische aus umliegenden Gewässern an. Als unerreicht gilt sein Hirschrücken, von Tieren, die vor dem Hotel aufgewachsen sind.

04. Dezember 2011

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