«Zu gut für die Tonne»: 82 Kilogramm Lebensmittel wirft der Deutsche pro Jahr weg

Jährlich wirft der Bundesbürger 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Nun wehrt sich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mit der Kampagne «Zu gut für die Tonne» gegen Lebensmittelabfälle. Quelle: BMELV / Walkscreen

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eröffnete am vergangenen Dienstag eine Konferenz unter dem Motto «Zu gut für die Tonne». Wirtschaftsexperten, Verbraucherschützer und Verbände kreierten gemeinsame Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Neben flexibleren Packungsgrößen sowie weniger Vermarktungsvorschriften für Obst und Gemüse nimmt Aigner vor allem Verbraucher in die Pflicht.

Der Autor der von Aigner beantragten Studie, Professor Martin Kranert von der Uni Stuttgart, verweist auf die materiellen und finanziellen Verluste des derzeitigen Wegwerfverhaltens der Deutschen. Im Jahr wirft der Bundesbürger 82 Kilogramm Lebensmittel weg, was das Portemonnaie um jährlich 235 Euro belastet.

«Wir werfen Geld in die Tonne»

1,9 Millionen Tonnen der insgesamt 11 Millionen Tonnen, welche jährlich an Lebensmitteln in Deutschland im Müll landen, kommen aus der Gastronomie. Gemeinsam mit der Dehoga ergreift Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nun die Initiative. Quelle: BMELV / Walkscreen

Vor allem Obst, Gemüse und Brot landen besonders oft im Müll. «Wir werfen Geld in die Tonne», so Kranert. Der Experte hält es für realistisch, zwei Drittel der Abfälle aus Privathaushalten vermeiden zu können. Die Europäische Union setzte sich nun zum Ziel, bis 2020 die Verschwendung von Lebensmitteln um die Hälfte zu reduzieren.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, verwies darauf, dass ein geringerer Verbrauch vor allem die weniger in Anspruch genommenen Ressourcen als Vorteil hätte, was sich positiv auf Entwicklungsländer auswirke.

Internetportal zugutfuerdietonne.de

Das Internetportal www.zugutfuerdietonne.de bietet viele Informationen für den Verbraucher. Hier zeigt die Seite die Verteilung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle.

Für eine bessere Information des Verbrauchers wurde kürzlich die Internetseite www.zugutfuerdietonne.de freigeschaltet, welche Tipps zum Umgang mit Lebensmitteln gibt. Zum Beispiel dienen Hinweise zum Mindesthaltbarkeitsdatum. So muss nicht alles, was theoretisch abgelaufen ist, weggeschmissen werden. Hier kann der Verbraucher danach entscheiden, was er sieht, riecht oder schmeckt.

Auch möchte Aigner die Vermarktungsnormen innerhalb der EU verbessern. Es existieren nach wie vor Normen, wie Obst und Gemüse beschaffen sein müssen. Wie krumm darf die Banane sein, wie rot der Apfel? Diese Normen stehen nach wie vor auf dem Prüfstand, so Ilse Aigner.

«Früher gab es in der EU 36 Normen, 26 wurden schon abgeschafft. Zehn gibt es noch, da werden wir auf europäischer Ebene vorgehen. Die Natur ist eben nicht genormt», so die Bundesverbraucherministerin. «Oder nehmen Sie die Bäckereien, wo Kunden erwarten, dass auch um 18 Uhr noch sämtliche Brotsorten vorhanden sind. Da muss dann etwas weggeschmissen werden», fügt Aigner an.

Jedes achte Lebensmittel, welches eingekauft werde, landet später im Müll. Aigner appelliert an Verbraucher und Händler: «Wir haben die Vorgaben bei den Packungsgrößen abgeschafft. Ich glaube, dass der Handel einfach gut beraten ist, sich an den Bedürfnissen der Verbraucher zu orientieren. Es sind ihre Kunden.»

13. April 2012

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