Zwei-Sterne-Restaurant Résidence in Essen schließt

Berthold Bühler. Foto: ©Restaurant Résidence
Berthold Bühler. Foto: ©Restaurant Résidence

Zum Jahresende schließt Berthold Bühler die Pforten des Zwei-Sterne-Restaurants Résidence in Essen. Es heißt, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Diesen Höhepunkt habe ich jetzt gesetzt. Ganz bewusst mit Eintritt ins offizielle Rentenalter - auch als Signal an Kollegen.“ So heißt es in einer Mitteilung, mit der Berthold Bühler das Aus des Essener Zwei-Sterne-Restaurants Résidence verkündet. Zum Ende des Jahres möchte der 64-jährige Bühler den Restaurantalltag hinter sich lassen und die Pforten seines überaus erfolgreichen Restaurants schließen. Der in Baden-Württemberg geborene Bühler ergatterte bereits im Jahre 1984 den ersten der drei begehrten Sterne des „Guide Michelin“. Fünf Jahre später folgte der zweite Stern des begehrten französischen Restaurantfühers. Auch der „Gault-Millau“ zeichnete das Restaurant in Essen mit 18 von 20 möglichen Punkten aus. Außerdem bekochte Bühler große Persönlichkeiten wie Queen Elizabeth II. und Weltstars wie Cliff Richard oder Vanessa Redgrave. Doch schon zu Silvester dieses Jahres geht eine Erfolgsära zu Ende.

Seit 32 Jahren betreibt Bühler das erfolgreiche Restaurant im Essener Stadtteil Kettwig. „Dabei dachte ich nach dem ersten Monat, wir halten höchstens noch zwei durch, dann sind wir pleite“, so Bühler im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Das Restaurant mit seinen rund 30 Mitarbeitern gehört heute zu den besten Gourmettempeln Deutschlands. Doch irgendwann müssen sie doch aufhören, diese lästigen 70-Stunden-Wochen, die Bühler bis heute als normal bezeichnet. Berthold Bühler, der 2014 als „Bürger des Ruhrgebiets“ ausgezeichnet wurde, hat sich das laute Knallen der Korken bis zum Jahresende auf die Fahnen geschrieben: „Verrückte Feste haben wir in der Résidence gefeiert, doch die verrücktesten kommen noch“, so der Patron. Bis Dezember möchte das Restaurant seinen Gästen ein bezahlbares Fine-Dining-Programm und einmal im Monat sogar ein verrücktes Bühler-Special bieten. Ein verrücktes Special? Ja, zum Beispiel eine „Gartenparty in Schneeweiß und Sonnengelb“ oder die Veranstaltung „Pop-Lack und Borsalino.“

„Wie die Politik das Herzblut der Gastronomie abzapft“

Fine-Dining seit über 30 Jahren. Doch damit ist jetzt Schluss: Das Résidence in Essen schließt. Foto: By Simplex2 (Own work) [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0">CC BY 3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ARestaurant_Residence_Innenansicht_Essen.JPG">via Wikimedia Commons</a>
Fine-Dining seit über 30 Jahren. Doch damit ist jetzt Schluss: Das Résidence in Essen schließt. Foto: By Simplex2 (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Wir sind wie eine große Familie und bleiben es hoffentlich bis zum letzten Öffnungstag“, sagt Bühler über sein Team um Chef-Sommelier Alfred Voigt, Restaurantleiter Sebastian Furgol, Hausdame Margret Reker, Küchenchef Eric Werner und Assistentin Katrin Lohmann. Auch um alle weiteren Mitarbeiter möchte sich Bühler kümmern, wenn dies notwendig sein sollte. Dass alle seine Mitarbeiter nahtlos einen hervorragenden Arbeitsplatz finden, ist eine Herzensangelegenheit von Berthold Bühler. „Für unsere Auszubildenden, die ihre Ausbildung woanders beenden werden, ist das für die berufliche Karriere kein Nachteil, sondern eher von Vorteil, in zwei guten Häusern gelernt zu haben“, so Bühler. Auch um die Nachfolge seines Restaurants macht sich der 64-jährige Patron keine Sorgen. Der neue Eigentümer wird Architekt und Arsatec-Chef Sven van Gelder, von dem Bühler sagt, dass er sein Restaurant „bei ihm in guten Händen sieht.

Bühler selbst möchte sich zunächst ein paar Monate Ruhe gönnen, um dann auf eine etwas andere Art und Weise wieder anzugreifen. Der Sternekoch plant ein Buch, welches die schillernden Erlebnisse der vergangenen 30 Jahre aufgreift. Aber vor allem soll es zeigen, „wie die Politik mit unsinnige Paragraphen das Herzblut der Gastronomie abzapft und viel Lebensfreude im Land erstickt“, so Bühler.

02. Juni 2016