13 Stunden täglich bald Alltag in der Gastronomie?

Allein in Nordhessen arbeiten 52.000 Menschen an Sonntagen, 36.000 sogar nachts. Eher die Regel als die Ausnahme im Gastgewerbe, auch in anderen Bundesländern. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bemüht sich nun, die bisher gültige gesetzlich zulässige tägliche Höchstarbeitszeit durch eine maximale Wochenarbeitszeit zu ersetzen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht sich vehement gegen diese Änderung aus. Sie fürchtet, dass es für Arbeitnehmer im Gaststättengewerbe durch die neue Regelung schnell Alltag werden könnte, an 6 Tagen die Woche 13 Stunden lang zu arbeiten.

Im Gastgewerbe war schon immer Flexibilität gefragt. Schließlich lässt sich im Vorfeld meist nicht genau abschätzen, wie lange Familienfeste dauern, ob sich Reisegruppen vielleicht aufgrund Stau verspäten oder ob unerwartet gutes Wetter dazu führt, dass die Gäste länger im Biergarten sitzen bleiben, als eigentlich angenommen. Diese Flexibilität wird den Mitarbeitern durch das Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge bereits jetzt in hohem Maße abverlangt. So sind nach dem geltenden Arbeitsgesetz von 1994 derzeit 10-Stunden-Schichten erlaubt und das Gesetz gibt den Betrieben die Möglichkeit, ihre Beschäftigten weitgehend nach Wunsch einzusetzen. Die meisten europäischen Länder begrenzen die tägliche Höchstarbeitszeit ebenfalls, meist auf unter 10 Stunden.

Dehoga hält geltende tägliche Höchstarbeitszeiten für unzeitgemäß

Nach Meinung des Hotel- und Gaststättenverbandes sind die derzeit geltenden Regelungen überholt, da insbesondere Teilzeitbeschäftigte hier schnell an ihre Grenzen kommen, wenn sie zusätzlich noch einer weiteren Tätigkeit nachgehen. Der Zuverdienst lohne durch die kurzen Schichten und die häufigeren Anfahrten dann nicht mehr. Zudem sei es oftmals der ausdrückliche Wunsch von Mitarbeitern statt jeden Tag wenige Stunden, lieber weniger Tage länger zu arbeiten, so die Dehoga. Die 13-Stunden-Tage sollen kein Alltag werden, betont die Gewerkschaft, jedoch solle so mehr Flexibilität ermöglicht werden.

Die NGG empfiehlt stattdessen die Stärkung von Tarifverträgen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hält dagegen, dass es schon heute schwer sei, bei den harten Arbeitsbedingungen noch Fachkräfte zu finden und fordert stattdessen eine Stärkung der Tarifverträge sowie eine allgemeine Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen.

16. Oktober 2017

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