Deutschland, wie es isst: Der BMEL-Ernährungsreport 2017

Die Ambition nach einer guten Ernährung ist in Deutschland angekommen. Wie der „Ernährungsreport 2017“ allerdings zeigt, hapert es an der Umsetzung. Fleisch ist nach wie vor die Lieblingsspeise der Deutschen.

Nachdem der Ernährungsreport im vergangenen Jahr erstmals erschien, präsentierten Bundesernährungsminister Christian Schmidt und Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner nun den „Ernährungsreport 2017“. Der Bericht basiert auf einer jährlichen Umfrage von rund 1000 Menschen ab einem Alter von 14 Jahren. Im Rahmen des Reports stellt das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Bundesernährungsministers die Ernährungsgewohnheiten,- wünsche- und -trends in Deutschland fest. „Der Ernährungsreport 2017 ist gleichsam ein Spiegel unserer Gesellschaft. Er zeigt, wie Ernährung, Einkauf und Kochen in den modernen Arbeits- und Lebensalltag integriert sind und dass Essen mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme. Es gehört zum kulturellen und sozialen Wir-Gefühl, es steht für Heimat und Gesundheit ebenso wie für die steigenden Erwartungen und Ansprüche an eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Lebensmittelproduktion“, so Schmidt.

Zentrale These des diesjährigen Ernährungsreports ist es, ein Schulfach namens „Ernährungsbildung“ zu etablieren. Neun von zehn Deutschen fänden ein solches Fach sogar genauso wichtig wie Deutsch, Englisch oder Mathematik. Schon im vergangenen Jahr gaben 89 Prozent der Befragten an, dass die Grundlagen einer gesunden Ernährung schon in der Grundschule gelehrt werden müssten. Da von allen Altersklassen die 14-bis 18-Jährigen am liebsten kochen, würde ein solches Schulfach vermutlich auch sehr gut angenommen werden. „Diese Begeisterung gilt es mit Schulküchen und systematischen Unterrichtskonzepten aufzugreifen“, plant Schmidt die Zukunft.

Verbrauchsverfallsdatum soll Mindesthaltbarkeitsdatum ersetzen

Das Vorhaben trägt bereits seine ersten Früchte. Noch in diesem Monat startet das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) mit seiner Arbeit. „Das Bundeszentrum wird zentrale Stimme für alltagstaugliche, wissenschaftsbasierte Ernährungsempfehlungen sein“, sagt Schmidt. Das Nationale Qualitätszentrum für Schulernährung (NQZ) wird ebenfalls dort beherbergt sein. Auch das ist ein großer Wunsch der Deutschen: Neun von zehn Befragten wünschen sich für ihre Kinder verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Schulen und Kindertagesstätten.

Auch die ewige Diskussion um die Erweiterung des Mindesthaltbarkeitsdatums scheint sich dem Ende zuzuneigen. Minister Schmidt möchte ein Verbrauchsverfallsdatum einführen, welches unmissverständlich klar macht, wann ein Lebensmittel wirklich nicht mehr zu genießen ist. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ein solches Datum das Mindesthaltbarkeitsdatum ersetzen sollte. 89 Prozent sind sogar dafür, dass auf nicht verderblichen Lebensmittel kein Mindesthaltbarkeitsdatum Platz finden sollte. Dass das was bringen könnte, zeigt folgende Quote: Jeder Zwanzigste wirft abgelaufene Lebensmittel umgehend in den Müll.

Nur 39 Prozent der Deutschen kochen täglich

Bei den Erwartungen an die Landwirtschaft steht eine artgerechte Tierhaltung hoch im Kurs. Sie ist den Menchen sogar wichtiger als die Qualität der Produkte. 87 Prozent der Befragten wünschen sich bessere Standards in der Tierhaltung, 82 Prozent wünschen sich mehr Transparenz über die Haltungsbedingungen. 47 Prozent der Deutschen achten auf Gütesiegel, welche das Wohl des Tieres in den Mittelpunkt stellen. Im vergangenen Jahr machten dies nur 36 Prozent. 79 Prozent der Befragten wünschen sich ein staatliches Tierwohlsiegel. 88 Prozent würden sogar mehr Geld ausgeben, wenn die Lebensmittel aus Haltungen höheren Tierwohl-Standards stammen. „Insgesamt hat sich der Trend zu mehr Tierwohl weiter verfestigt. Das haben wir auch in den vielen Debatten im vergangen Jahr erlebt. Dabei stimmt mich positiv, wenn sich immer mehr Menschen für die Arbeit der Landwirtschaft interessieren und sich einbringen wollen. Ich werde deshalb ein staatliches Tierwohllabel einführen. Eckpunkte werde ich auf der Grünen Woche vorstellen“, so Schmidt.

Wenn es darum geht, selber zu kochen, sind die Deutschen faul. Zwar stellen sich nur 39 Prozent der Befragten tagtäglich in die Küche, doch satte 89 Prozent wünschen sich ein gesundes Essen. Ein Drittel der Deutschen kocht immerhin zwei- bis dreimal pro Woche. 12 Prozent der Befragten kochen nie. Bei den 19- bis 29-Jährigen ist die Faulheit besonders groß: Statt selbst zu kochen, ernähren sich 60 Prozent der Altersgruppe gerne auch von Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza.

Deutsche essen rund 60 Kilo Fleisch pro Jahr

Während 53 Prozent der Befragten am liebsten Fleisch essen, setzen 38 Prozent auf Pasta, 20 Prozent auf Gemüse und 16 Prozent auf Fisch. Obwohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Fleischkonsum von 300 bis 600 Gramm pro Woche empfiehlt, ist Fleisch nach wie vor die Lieblingsspeise der Deutschen. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie isst jeder Deutsche rund 60 Kilo Fleisch pro Jahr; deutlich zu viel.

Zwar lieben die meisten Deutschen ihre Fleischgerichte, glauben aber nicht, dass es sich bei veganen Lebensmitteln lediglich um einen Trend handelt. 71 Prozent denken, dass diese Produkte auch langfristig im Angebot bleiben. Auch laktosefreie und glutenfreie Lebensmittel haben laut der Befragten gute Chancen. Nur bei Smoothies und Superfood sind die Deutschen skeptisch und halten es mehrheitlich für unwahrscheinlich, dass es sich um mehr als einen Trend handelt.

Beim Kauf von Lebensmitteln ist der Geschmack (97 Prozent) nach wie vor Verkaufsargument Nummer 1. Doch direkt danach folgt der Anspruch an die Regionalität der Produkte. Dass die Lebensmittel aus der Umgebung kommen, finden 73 Prozent der Befragten wichtig. Für 57 Prozent ist der Preis das entscheidende Kaufkriterium. Trotz dieser Ansprüche kaufen die meisten Deutschen im Supermarkt. 62 Prozent der Befragten besuchen große Lebensmittelmärkte, 43 Prozent gehen zum Discounter, nur sechs Prozent in den Bioladen.

In der Mittagspause bringen sich 57 Prozent ihr Essen selbst mit. Nur jeder Fünfte geht in die Kantine. Genauso viele Menschen lassen ihr Mittagessen gleich ganz ausfallen. Nur rund 5 Prozent der Befragten verbringt seine Mittagspause im Restaurant. Für eine Mittagspause außerhalb des Hauses geben Verbraucher durchschnittlich 6,20 Euro aus. Männer geben mit 6,80 Euro mehr aus als Frauen (5,40 Euro). Schüler zahlen satte 7,80 Euro pro Mittagessen, Studierende 4,90 Euro .

12. Januar 2017

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