Immer mehr Restaurants vergeben ihre Tische doppelt

Immer mehr Restaurants vergeben ihre Tische zweimal pro Abend. Das aus den USA stammende „double seating“ kommt auch in Deutschland immer mehr in Mode.

„Double seating“ heißt der neue Trend in den deutschen Restaurants. Viele Lokale vergeben ihre Tische inzwischen zweimal pro Abend. Was in anderen Ländern seit etlichen Jahren üblich ist, setzt sich allmählich auch in Deutschland durch. Immer öfter ist es Praxis, dass Restaurants ihre Tische im zwei- bis dreistündigen Rhythmus an jeweils andere Personen vergeben. Wer um 18 Uhr bzw. 19 Uhr kommt, muss seinen Tisch um 20 bzw. um 21 Uhr wieder freigeben. Denn dann stehen schon die nächsten Gäste auf der Matte. Was für den Gast im Zweifel ungemütlich wirken kann, ist für den Gastronomen ein finanziell lukratives Geschäft. Kritiker benennen das Kind deutlich aggressiver beim Namen und ordnen das „double seating“ der Geldgier des Restaurants zu. Fakt ist, dass die Zeiten, in denen der Kellner unaufgefordert mit der Rechnung am Tisch steht, längst nicht mehr nur in den USA zu erleben sind.

Zwei Seiten einer Medaille

Vielleicht gilt es hier einfach, beide Seiten der Medaille zu betrachten. Auf der einen Seite wäre da der unter Druck geratene Gastronom, der in seiner arbeitsintensiven Branche von guten Leistungen und Produkten abhängig ist. Auch machen verschärfte Arbeitsgesetzen die Bedingungen in der Gastronomie nicht unbedingt einfacher. Wer seinen Tisch zwei- oder sogar dreimal pro Abend vergibt, kann seinen Gewinn logischerweise vervielfachen. Auch vereinfacht es die Planung.

Auf der anderen Seite ist da der Gast, den solche Dinge nicht interessieren. Gäste möchten einen schönen Abend in guter Gesellschaft mit leckeren Speisen und Getränken verbringen. Aber profitiert der Gast nicht auch irgendwie von der engen Taktung namens „double seating“? Denn eines ist sicher: Wenn ein Restaurant den Tisch zweimal pro Abend vergibt, sind die Wartezeiten auf Speisen und Getränke deutlich kürzer. Alles andere könnte sich das Restaurant nicht erlauben. Doch der Nachteil ist, dass direkt nach dem Dessert schon die nächsten Gäste warten. Macht die Tatsache, erst gar nicht auf die Uhr gucken zu müssen, nicht die eigentliche Qualität des Abends im Restaurant aus? Gemütlich essen sieht jedenfalls anders aus.

16. August 2017