„Topf Secret“ – Ansturm auf neue, umstrittene Foodwatch-Plattform

Lebensmittelskandale sorgen immer wieder für großen Aufruhr in den Medien und unter Verbrauchern. Besonders, wenn deutlich wird, dass die Missstände den Behörden schon lange bekannt waren, die Öffentlichkeit darüber jedoch nicht informiert wurde. Hier soll die von Foodwatch gemeinsam mit der Initiative FragDenStaat gestartete Plattform „Topf Secret“ Abhilfe schaffen.

Die neue Plattform ist jedoch nicht unumstritten. Unter anderem ist von Populismus und „an den Pranger stellen“ die Rede.

Rund 25 % der deutschen Betriebe werden pro Jahr beanstandet

Zahlen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge liegt die Quote beanstandeter Betriebe in Deutschland seit Jahren bei rund 25 Prozent. Meist handelt es sich dabei um Beanstandungen aufgrund von Hygienemängeln. Die Bevölkerung bleibt darüber jedoch häufig im Unklaren, auch wenn sie seit Inkrafttreten des Verbraucherinformationsgesetzes (VIG) am 1. Mai 2008 die Möglichkeit hat, entsprechende Anfragen an die zuständigen Behörden zu stellen. Die Behörden sind verpflichtet, diese auch zu beantworten. Allerdings war die Abfrage bislang nur umständlich möglich.

Allein rund 8000 Anfragen in den ersten drei Tagen

Durch die neue Plattform „Topf Secret“ ist es nun möglich, mittels weniger Klicks automatisiert vorgefertigte Anfragen zu stellen. Das Interesse der Verbraucher daran ist groß. Allein in den ersten drei Tagen nach dem Launch der Plattform gingen laut Foodwatch um die 8000 Anfragen zu Lebensmittelbetrieben ein. Das liegt nicht zuletzt am benutzerfreundlichen Ablauf. Denn der Nutzer muss lediglich über eine Straßenkarte oder den Namen den gewünschten Betrieb auswählen, seine Daten eingeben und die vorformulierte Mail wird dann automatisch an die zuständige Behörde geschickt. Erhält er eine Antwort soll diese wieder öffentlich zugänglich auf „Topf Secret“ hochgeladen werden. Empfohlen wird maximal drei Anfragen pro Behörde gleichzeitig zu stellen, um zu vermeiden, dass die Auskunft kostenpflichtig wird.

Ähnliche Systeme in Dänemark, Norwegen und Wales

Als Vorbild für die neue Plattform dienten ähnliche Systeme in Dänemark, Norwegen, Finnland und Wales. In Dänemark etwa müssen seit 2001 alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen online und an den Ladentüren öffentlich gemacht werden. Dies erfolgt mittels eines Smiley-Systems. Strahlt der Smiley, ist alles in bester Ordnung, lacht er verhalten, gab es kleinere Mängel und blickt er traurig, so wurden schwerwiegendere Mängel festgestellt, die mindestens eine Geldstrafe nach sich zogen. Eine erfolgreiche Maßnahme. Denn seit Einführung des Systems hat sich laut Foodwatch der Anteil der Betriebe mit dem besten Smiley um 21 Prozent erhöht und der Anteil der Betriebe mit Beanstandungen halbiert. Auch in Norwegen und Wales ging die Zahl der Schmuddelbetriebe seit Einführung zurück.

Scharfe Kritik von Seiten der DEHOGA, des BVLK und der Behörden

Führende Institutionen wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) sparten indes nicht an Kritik. Während der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband „Topf Secret“ als Mitmach-Internetpranger und reinen Populismus kritisierte, äußerte der BVLK die Foodwatch-Plattform verstoße gegen den Grundsatz des Aktengeheimnisses und der Vertraulichkeit.

Und auch die zuständigen Behörden zeigen keine große Begeisterung. Man binde damit zeitliche und personelle Kapazitäten, die man gezielter und risikoorientierter einsetzen könne, so hieß es. Auch habe man Zweifel, ob man die Anfragen durch deren schiere Masse - wie eigentlich vorgeschrieben - innerhalb eines Monats bearbeiten könne.

Oliver Huizinga von Foodwatch verteidigte dagegen die Einführung der Plattform als „Notwehrmaßnahme“, da seit Jahren zwar jeder vierte Betrieb kontrolliert und beanstandet werde, dies dem Verbraucher aber nur selten bekannt werde. Denn die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse ist bislang nicht vorgeschrieben.

22. Januar 2019