DER FEINSCHMECKER gewinnt vor Gericht

In der 35-jährigen Geschichte des Magazins gab es sowas noch nie. Das in Deutschland führende kulinarische Magazin aus Hamburg, DER FEINSCHMECKER, musste das erste Mal einen Text schwärzen, weil ein Gastronom auf dem Rechtsweg versucht hat, die Veröffentlichung eines Testberichtes zu verhindern.

Gastronom Hans-J. Brogsitter, Inhaber des Restaurants Brogsitter’s Sanct Peter in Bad Neuenahr-Ahrweiler, hat den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, mit der unter Umständen auch das Erscheinen des großen Hotel-und Restaurant-Guides 2011 hätte verhindert werden können. Die Testberichte aus dem Taschenbuch des Verlages sind auch Bestandteil des großen Hotel-und Restaurant-Guides, welcher jedes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird.Zwei Dinge machten Brogsitter sauer: Zum einen sah er sein Restaurant nicht angemessen gewürdigt, zum anderen fiel die Bewertung seines Restaurants gegenüber dem Vorjahr um einen Punkt. Anstatt drei erreichte er nur noch zwei FEINSCHMECKER-Punkte.

Erst wenige Tage vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse beantragte Brogsitter beim Landgericht Köln daher nicht nur, den Bericht aus dem Taschenbuch zu streichen, sondern auch die Bewertung im Guide mit einer niedrigeren Bewertungskategorie als im Vorjahr zu unterlassen.

Das Landgericht Köln sah damit die Unabhängigkeit des Magazins und seiner Tester beschnitten und respektierte die Pressefreiheit der Restauranttester der Zeitschrift. Der Antrag Brogsitters wurde nach mündlicher Verhandlung am 6. Oktober 2010 in vollem Umfang zurückgewiesen. Der JAHRESZEITEN VERLAG in Hamburg, bei dem DER FEINSCHMECKER und seine weiteren publizistischen Produkte erscheinen, hat den strittigen Text allerdings aus Gründen der äußersten Vorsorglichkeit in der gesamten Guide-Auflage geschwärzt, so dass das Buch in Frankfurt pünktlich erscheinen konnte.

“Die Redaktion ist erleichtert über dieses Urteil aus Köln, denn es kann nicht sein, dass eine begründete kritische Meinungsäußerung selbst in unserem Metier nicht mehr erlaubt sein soll”, sagte FEINSCHMECKER-Chefredakteurin Madeleine Jakits.

08. November 2010

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