Jede vierte Kneipe macht dicht

Kneipen sterben aus - Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Zwischen den Jahren 2001 und 2010 sank die Zahl der Schwankwirtschaften in Deutschland um 25 Prozent von 48.000 auf 36.000. Somit ging jeder vierte Kneipenwirt pleite.

Besonders stark betroffen waren die Bundesländer Hamburg mit einem Rückgang von 48,1 Prozent und Niedersachsen mit einem Minus von 41,2 Prozent. Verglichen dazu, punkteten Berlin und Baden-Württemberg. Während das südwestlichste Bundesland 15,3 Prozent mehr Kneipen verzeichnete, gab es in der Hauptstadt sogar einen Zuwachs von 96 Prozent. Nordrhein-Westfalen kam auf ein Minus von 31,8 Prozent. Im bevölkerungsreichsten Bundesland gebe es nur noch 9.700 Kneipen, auch der Umsatz der Schankbetriebe sei um knapp 28 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro geschrumpft.

Die Anzahl der Kneipen sank im flächenmäßig größten Bundesland Bayern um 24,5 Prozent. Florian Kohnle von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht das bayerische Ergebnis kritisch. In 500 von 2200 Gemeinden Bayerns gebe es inzwischen gar keine Gaststätte mehr. Als Gründe dafür sieht Kohnle «den Bevölkerungsrückgang auf dem Land, den Mobilitätszuwachs, die Veränderungen von Freizeitverhalten und Arbeitswelt sowie die Konkurrenz durch Vereinsheime».

Ähnlich sieht dies auch die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges. Sie beklagt ebenfalls die Konkurrenz der Vereinsheime und zieht rechtliche Anpassungen in Erwägung: «Wo es einen gastronomischen Betrieb in festen Räumlichkeiten gibt, sollten Vereine auch eine Konzession beantragen müssen», forderte Hartges.

Gesetzliche Regelungen sollen helfen

Doch nicht nur bei den Kneipen ist ein Abwärtstrend zu erkennen. Auch die Zahl der Restaurants geht zurück. Im Jahre 2006 gab es noch 88.000 Restaurants, 2010 waren es nur noch 79.000. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Hotels und Pensionen sowie der Cafés stabil geblieben. Gestiegen ist die Zahl der Imbissstuben.

Trotz aller Hiobsbotschaften feierte die deutsche Gastronomie 2011 das beste Jahr seit 1994. Die Branchenumsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr nominal um 3,8 Prozent. Der Gesamtumsatz lag bei knapp 60 Milliarden Euro.

Viele Bundesländer versuchen die brenzliche Lage der Kneipen nun per Gesetz in den Griff zu bekommen. Das Bundesland Sachsen verabschiedete bereits im letzten Jahr ein neues Gesetz: Feuerwehrhäuser und Vereinsheime werden dort mit Kneipen gleichgestellt, wenn diese auch an Nichtmitglieder ausschenken. Auch in Sachsen-Anhalt wird eine ähnliche Lösung diskutiert. Dort ist die Zahl der Schankwirtschaften innerhalb von zehn Jahren um 27,8 Prozent, in Sachsen sogar um 33,4 Prozent gesunken. «Durch Vereinsheime und Gemeindehäuser ist eine Konkurrenz für die kleinen Gasthöfe entstanden, oft auf Steuerzahlerkosten», so Frank Scheurell, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalts.

10. April 2012

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