Mineralwasser ist Luxus: Bis zu 100 Euro zahlt der Gast

Wer denkt, dass teure Rechnungen nur durch Speisen wie Rinderfilet, Seezunge oder Felsenrotbarbe entstehen können, der hat sich geirrt. Auch Mineralwasser gesellt sich zu den in Restaurants geführten Luxusgütern: Bis zu 100 Euro zahlt der Gast inzwischen für eine Flasche Wasser. Viele Restaurants bieten das kühle Nass derweil auf einer seperaten Wasserkarte an.

Während dem Restaurantbesucher bis dato nur die Auswahl geläufig war, sich bezüglich des Wassers für oder gegen Kohlensäure zu entscheiden, hat er nun in vielen Restaurants die Qual der Wahl. Grund dafür ist die Tatsache, dass sich das Mineralwasser mittlerweile als Lifestyle-Produkt etablierte.

Restaurants mit seperaten Wasserkarten

Rund 130 Liter Mineralwasser trinkt jeder Deutsche pro Jahr. Allein diese enorme Summe reicht der Gastronomie, das neue Luxusgut attraktiver zu gestalten. Schick designte Wasserflaschen zieren die Kühlschränke der Restaurants und verleiten den Gastromen dazu, die eigene Auswahl zu erweitern. In Gastro-Hochburgen wie Berlin, Hamburg und München ist eine Wasserkarte mit bis zu 50 Positionen keine Seltenheit mehr. Restaurants des gehobenen Sektors können es sich heutzutage nicht mehr erlauben, lediglich eine regionale Marke anzubieten.

Peter Schropp, Restaurantleiter des Restaurants "Ray's & Stark Bar" in Los Angeles, arbeitete als Wassersommerlier im Restaurant first floor in Berlin und war dort für eine 40 Marken umfassende Wasserkarte zuständig. Laut Schropp sei Wasser der ideale Begleiter zum Wein und sollte in vier bis acht unterschiedlichen Marken auf der Karte zu finden sein. Die Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM) geht sogar einen Schritt weiter und betont, dass richtig ausgewähltes Mineralwasser das Wesen eines Weines hervorheben kann.

Während ein stilles Wasser einen Wein fade schmecken lassen kann, betont ein stark mineralisiertes Wasser die Säure und die Gerbstoffe, was die Süße des Weins unterbindet. Natürlich ist auch die Harmonie zwischen Mineralwasser und Speise wichtig: «Sehr kohlensäurehaltiges Wasser passt zu deftigen Speisen wie Haxe», so Schropp. Von Bedeutung sei außerdem, dass der Gast zwischen Wässern verschiedener Mineralgehalte wählen kann.

Optische Werte zählen

Da die Gesteinschichten, welche das Wasser mit der Zeit durchdringt, verantwortlich für den Mineralstoffgehalt sind, gibt es nach Angaben der IDM sehr große regionale Unterschiede. Der Feinschmecker mit dem Wunsch nach einem salzig-würzigen Aroma sollte ein Wasser mit einem hohen Natriumgehalt wählen.

Die Natürlichkeit des Mineralwassers ist gesetzlich geregelt, so muss es direkt an der Quelle abgefüllt werden. Wesentliche Eigenschaften müssen bestehen bleiben, lediglich Schwefel-, Eisen-, und Kohlensäuregehalt werden verändert.

Ein derzeitiger Gastro-Renner ist zum Beispiel das «Fiji», ein Wasser der gleichnamigen Inseln. Experten zufolge sei das Mineralwasser aus dem Pazifik gesünder, geschmackvoller und reiner als andere Wässer. Der Hersteller des Produktes weist vor allem darauf hin, dass das Wasser ohne Einflüsse von saurem Regen, Abfällen oder Umweltverschmutzung entstanden ist. Spürbar weich auf dem Gaumen sei das Wasser «Cloud Juice», welches abgefüllt in Tasmanien, die sauberste Luft der Welt um sich hat.

Preislich wird die Kategorie der Luxuswässer von «bling h2o» angeführt. Die 100 Euro teure Flasche ist mit Swarovski-Kristallen besetzt und bietet dem Gast so auch optischen Flair. In den USA dominiert die Marke «Voss» die Kühlräume der Restaurants: Während innere Werte des Wassers stimmen, ist auch hier die Optik entscheidend. Auf den ersten Blick könnte die als durchsichtige Röhre gestaltete Flasche auch in einer Parfümerie zu Hause sein und unterstreicht einmalig, dass Lifestyle eben auf Äußeres setzt.

26. Oktober 2011

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