Systemgastronomie legt weiter kräftig zu

Die traditionellen Restaurants schwächeln und die Systemgastronomie legt nach. Ketten wie McDonald's oder Nordsee gewinnen zunehmend an Marktanteilen. Neue Anbieter stehen bereit.

In Deutschland gewinnt die Systemgastronomie seit Jahren an Bedeutung. Restaurantketten und Fastfood-Tempel bestimmen unser Essensverhalten. Circa 30 Prozent der Gesamtumsätze in der Gastronomie werden in Deutschland inzwischen von Systemgastronomen erzielt. Innerhalb von vier Jahren macht diese eine Steigerung von stattlichen fünf Prozent aus. «Die Systemgastronomie marschiert, der Konzentrationsgrad wird von Jahr zu Jahr höher»", sagt Jochen Pinsker, Leiter des Bereichs Foodservice beim Marktforscher NPD Group. "«Ein Umsatzanteil von 50 Prozent ist durchaus realistisch.»

In den USA, Russland oder Großbritannien werden solche Werte schon länger erreicht. In Deutschland wird dies in wenigen Jahren auch der Fall sein. Wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband meldet, konnten im vergangenen Jahr 80 Prozent der Systemgastronomen beim Umsatz zulegen. Auch im laufenden Jahr befürchten nur acht Prozent der Systemgastronomen ein Minus im Vergleich zum Vorjahr. 23 Prozent rechnen mit gleichbleibenden und 69 Prozent mit steigenden Erlösen. Die Umsätze der Systemgastronomie lagen Ende August 2,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Die der klassischen Gastwirte sanken um 2,6 Prozent.

Hinter dem Begriff der Systemgastronomie verbergen sich längst nicht mehr nur die gängigen Fastfood-Ketten. So gibt es Vollservice-Restaurants wie Maredo oder Block House, dazu die Handelsgastronomie bei Ikea oder in den Warenhäusern Karstadt (Le Buffet) und Kaufhof (Dinea). Dann sind da Lieferdienste wie Hallo Pizza oder Joey's, die Reiseversorger wie Tank+Rast oder LufthansaSky Chefs. Nicht zu vergessen ist die Erlebnisgastronomie mit Formaten wie Sausalitos, Bolero, Cafe Extrablatt oder Alex. Vor allem die Erlebnisgastronomie ist der Gewinner aktueller Forschungen. «Wir verkaufen Emotionen», sagt Alex-Marketingchef Hubert Sterzinger. Seine Kette bietet Lounge-Ecken, Café-Tische und schöne Lichtspiele. Die 39. Filiale des Unternehmens wird in Kürze in Osnabrück eröffnet.

Vor allem Vermieter stehen auf die Systemgastronomie. Der Einzelgastronom bringt schließlich ein viel größeres Risiko mit sich. In der Systemgastronomie ist das Risiko eines Zahlungsausfalls nämlich deutlich geringer. «Einzelgastronomen können eine Flaute von mehreren Monaten nicht überleben. Ein System dagegen kann einen schwächelnden Standort auch mal eine Weile durchschleppen», so Marktforscher Pinsker. Die große Stärke der Ketten: Die Organisation im Hintergrund erledigt für alle Filialen Aufgaben wie Buchführung, Einkauf oder Marketing. Ein Einzelwirt hingegen muss dies alles selber erledigen.

16. Oktober 2013

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