„Social Dining“: Zu Gast bei Hobbyköchen

Airbnb, eine Internetplattform zur Vermittlung privater Unterkünfte, kennen wir alle. Doch warum nicht mal bei fremden Menschen essen oder sogar Zuhause für sie kochen? Denn die gleiche Idee gibt es auch in der Gastronomie: Das „Social Dining“-Fieber ist ausgebrochen.

Der Vermittlungsdienst von privaten Unterkünften, Airbnb, ist zuletzt stark in Verruf geraten. Doch was in der Touristik viele Probleme bringt, kann in der Gastronomie Wunder wirken. Daher gibt es weltweit inzwischen viele Plattformen, die Hobbyköche und Feinschmecker zusammen an einen Tisch bringt - und zwar an den des Kochs. Eines dieser Unternehmen ist das kalifornische Startup „EatWith“. Auch „Bookalokal“ und „Vizeat“ haben sich in dem neu entstandenen Geschäftssektor etabliert. Travelingspoon.com ist vor allem im asiatischen Markt groß geworden, voulezvousdiner.com in Frankreich, airdnd.nl in den Niederlanden und eatfeastly.com sowie letslunch.com in den USA. Wer vornehmliche in deutschen Wohnzimmern zu speisen pflegt, wird auf supperclubbing.com fündig. Das „Social Dining“-Fieber ist ausgebrochen.

Doch was genau ist „Social Dining“? Ganz einfach: Sie haben Spaß am kochen und möchten ein paar Leute zum Dinner einladen? Auf geht's! Auf den genannten Online-Plattformen kann sich Ihr zukünftiger Gast dann ganz einfach anmelden. Den Preis des Menüs bestimmen Sie. Zum Beispiel wird bei „EatWith“ derzeit das Angebot „Alpine Delights. A Bavarian Getaway Experience“ gelistet, welches ein Mann aus dem oberbayerischen Egling erstellt hat. Für 59 Euro pro Person können sich nun wildfremde Menschen zu seinem Dinner anmelden. Am Wohnzimmertisch gibt es dann Tatar vom Oberland-Rind, geschmorten Ochsennacken, geräucherten Saibling und Mohnschmarrn an Apfelragout .

Bei eatwith.com beschreibt jeder Gastgeber sein Menü und seine Küche, gibt aber auch zusätzliche Informationen zur Lage und Größe der Wohnung oder zur maximalen sowie minimalen Anzahl der Gäste. Per App kann der potenzielle Gast dem Gastgeber eine Buchungsanfrage senden. Bestätigt der Gastgeber diese, bekommt der Käufer die genaue Adresse und der fällige Betrag wird per Paypal oder Kreditkarte eingezogen.

Das Idee des gemeinsamen Essens ist nicht neu

Doch die Idee der „privaten Restaurants“ stammt nicht von all den oben genannten Portalen. Vielmehr ist dies eine Entwicklung, die schon seit mehr als 10 Jahren im Gange ist. Zum Beispiel gibt es da den 2007 in Wien eröffneten „The Dining Room“ - ein Private-Dining-Lokal, welches von Angelika Apfelthaler betrieben wird. Auch das Konzept von „Cesarine“ ist ein Ähnliches: Über die Internetseite homefood.it werden Kochkünste in rund 150 Städten angeboten. Allerdings, so Guy Michlin, einer der Gründer von „EatWith“, hat die Idee „vor uns keiner auf globaler Ebene durchgezogen“. Die Portale verdienen an jedem Essen. Bei „EatWith“ sind es circa 15 Prozent des Preises, die der Koch an das Unternehmen abdrücken muss. Pro Menü kommen etwa fünf bis 16 Gäste, die 30 bis 80 Euro zahlen.

Das Unternehmen wurde 2012 in Tel Aviv gegründet, hat seinen Firmensitz inzwischen allerdings im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Mit 25 Mitarbeitern und Köchen aus 150 Städten in 34 Ländern wächst das Unternehmen immer weiter. Sogar einige Ex-Sterneköche befinden sich unter den Gastgebern, die allesamt penibelst geprüft werden. Das behauptet zumindest „EatWith“ selber. Derzeit seien rund 10.000 potenzielle Gastgeber im Bewerbungsverfahren, nur rund 4 Prozent würden akzeptiert, so Michlin. Geprüft werden die Qualität der Menüs, die Sicherheit und die Hygiene. Wer sich bewirbt, muss eventuell sogar ein Bewerbungsgespräch per Skype führen oder ein Demo-Abendessen kochen. Auch statten „EatWith“-Mitarbeiter manchen Bewerbern einen Besuch ab.

Hotels und Herbergen legten sich mit Airbnb an, das Taxigewerbe mit dem Mitfahrdienst Uber und nun die Gastronomie und ihre Restaurants mit eatwith.com, letslunch.com und Co.? Zumindest Christopher Lück schlägt Alarm: „Während unsere konzessionierten Betriebe permanent mit neuen Auflagen und Abgaben konfrontiert werden, stellen sich bei diesen Alternativen auch weitere Fragen: Wer garantiert dort die Hygiene? Wer haftet im Ernstfall?“, so der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes gegenüber dem Handelsblatt. Immerhin ist jeder, der ein Angebot auf „EatWith“ bucht, nach Angaben des Unternehmens mit bis zu einer Million Dollar für eventuelle Folgeschäden abgesichert.

Viele Experten hingegen sehen das „Social Dining“ als absoluten Zukunftsmarkt. Denn was viele Restaurants nicht mehr bieten, sei durch das neue Konzept gegeben: Einen gemütlichen, legeren, ungezwungenen Abend. Zwar haben hierzulande schon einige Restaurants darauf reagiert, doch nennt immerhin das Marktforschungsinstitut „Euromonitor International“ das gemeinsame Essen einen „Megatrend im Jahre 2016“.

11. Februar 2016

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