Sylts Restaurants entfernen sich von der Sterneküche

In den letzten Jahren werden immer weniger Sylter Restaurants mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Grund dafür ist die weise Voraussicht der Insel-Gastronomen.

In der Zwei-Sterne-Kategorie gab der Guide Michelin 2016 auf Sylt keinerlei Veränderungen zum Vorjahr bekannt. Johannes King vom Restaurant Söl’ring Hof und Alexandro Pape vom Fährhaus besetzen mit jeweils zwei Michelin-Sternen nach wie vor den kulinarischen Thron der Nordseeinsel. Jeweils ein Stern ging an Holger Bodendorf vom Bodendorf’s sowie Jens Rittmeyer vom Restaurant Kai3. Doch der Trend zu weniger Sternen ist gewollt. Aber warum?

Neben dem A-Rosa-Resort, was mit dem Restaurant La Mer mal zwei Michelin-Sterne ergatterte, spricht sich auch Jörg Müller gegen die Sternegastronomie aus. Bereits 2014 hat der Chef des Restaurants JM das Wetteifern um die begehrten Sterne eingestellt. Doch warum fliegen alle auf der Sterne-Wolke und die Insel Sylt sträubt sich dagegen? Denn im Rest des Landes gab es in diesem Jahr erneut einen Rekord: 290 Restaurants wurden mit mindestens einem Stern ausgezeichnet - so viele wie nie zuvor. Dagegen geht die Anzahl der Sternerestaurants auf Sylt seit 2014 kontinuierlich zurück.

Viele der Restaurants auf der Nordseeinsel haben ihre Speisekarten vereinfacht und auf ein schlichteres Angebot umgestellt. Darunter die Gastronomie des A-ROSA Resorts auf Sylt, ein modernes Luxushotel in der Gemeinde List. Sebastian Zier, der ehemalige Küchenchef des hoteleigenen Restaurants La Mer, holte innerhalb von nur zwei Jahren zwei Sterne in das A-Rosa Resort. Auch ein zweites Restaurant des Hotels, das Spices, ergatterte schnell einen Michelin-Stern. Das La Mer ist inzwischen geschlossen, das Spices ein Lifestyle-Restaurant mit neuem Konzept. Doch was ist passiert?

Der Gast "möchte eine entspanntere Art der Gastronomie erleben"

Immer mehr Sterne-Restaurants in Deutschland, immer weniger allerdings auf Sylt. Die Gourmetbibel scheint auf der Nordseeinsel einen nicht so großen Stellenwert zu haben.

Das Hamburger Abendblatt sprach mit Hoteldirektor Gordon A. Debus, der die damalige Situation wie folgt beschreibt: "Wir hatten abends nur elf Gäste im Restaurant, davon sechs von außerhalb. Wir mussten akzeptieren, dass der Kunde die maximale Qualität nicht will", erklärt Debus. Die kritischen Stimmen gegenüber der Haute cuisine mehren sich. Horst Lichter findet sie zu anstrengend, Größen der Branche wie Frank Buchholz, Marcel Schiefer oder Volkmar Preis schlossen ihre ausgezeichneten Restaurants. Und auch Hoteldirektor Debus sieht die Sternegastronomie als rückläufig an. Drei Stunden Förmlichkeit, am Ende eine hohe Rechnung... wer will das noch? Der Gast "möchte unterhalten werden und eine entspanntere Art der Gastronomie erleben", so Debus. Das hoteleigene Restaurant Spices macht es vor: Das Büffet-Restaurant schwenkt zwischen verschiedenen Themen wie Asien, Norddeutschland oder Südamerika. Der große Vorteil: Die Qualität ist immer noch hoch, der Preis allerdings nicht mehr. Debus ist begeistert: "Die Gästezufriedenheit ist größer denn je, das neue Konzept kommt super an."

Auch in Rantum, einem Ortsteil der Gemeinde Sylt, kennt man die Probleme des A-Rosa Resorts: Das Restaurant Coast entschloss sich dazu, sein Konzept zu korrigieren. Dem Hamburger Abendblatt berichtet Küchenchef Tobias Evers, wie weit er mit seiner kulinarischen Finesse am Publikum vorbeikochte. "Man ist ja ambitioniert als Koch, will etwas erreichen. Doch mit meinen verspielten Kombinationen habe ich schlicht am Gast vorbeigekocht", räumt Evers ein. Das neue Konzept: Einfache Küche, adäquate Preise. "Wir kochen jetzt einfacher, aber immer noch qualitativ hochwertig mit frischen Produkten", so Tobias Evers.

07. Januar 2016

Mehr aus der Kategorie "Aus der Gastronomie"