Welches Restaurant bildet gut aus? Zertifikat soll Branchenproblem lösen

Niedrige Löhne und viele Überstunden haben die Gastronomie als Ausbildungsberuf in Verruf gebracht. Betriebe können sich jetzt ein Ausbildungszertifikat verdienen. Foto: © goodluz - Fotolia.com

Niedrige Löhne und viele Überstunden haben die Gastronomie als Ausbildungsberuf in Verruf gebracht. Betriebe können sich jetzt ein Ausbildungszertifikat verdienen.

Seit Jahren trägt die Gastronomie ein schlechtes Image. Im April wurde bekannt, dass sich die Zahl der Auszubildenden in der Gastronomie im vergangenen Jahr fast halbiert hat. Im Jahre 2006 begannen 17.974 Menschen eine Ausbildung zum Koch, 2013 waren es lediglich 9.750. Dieser Entwicklung versucht die Gastronomie, zum Beispiel mit dem ab Januar 2015 geltenden Mindestlohn, entgegenzuwirken. Nun soll ein Zertifikat einem gastronomischen Unternehmen belegen, eine "gute Ausbildung" zu bieten. Damit versucht die Gastronomie Jobs wie Koch oder Kellner wieder attraktiver zu gestalten.

Um Zertifikat zu bekommen, müssen 80 % der Kriterien erfüllt werden

Mit dem neuen Zertifikat möchte die Branche schwarze Schafe bekämpfen. Restaurants, Hotels und Pensionen können sich seit Montag in weiten Teilen Thüringens mit dem Zertifikat kennzeichnen lassen. Das Bundesland beklagt die sinkende Zahl der neuen Verträge, welche in fünf Jahren um mehr als die Hälfte gesunken sei, so die Industrie- und Handelskammer Erfurt. Gemeinsam mit der Universität Erfurt entwickelt die IHK ein Bewertungssystem, für das auch Azubis zu den Ausbildungsbedingungen in ihrem Betrieb befragt werden. Kriterien sind zum Beispiel, ob sie eine Einarbeitungszeit, einen festen Betreuer und regelmäßige Rückmeldungen bekommen und wie gut das Betriebsklima ist. Um das Zertifikat zu bekommen, müssen Betriebe mindestens einen Azubi beschäftigen und 80 Prozent der Kriterien erfüllen. Nach dem ersten Testlauf, in dem alle 13 betrachteten Unternehmen ein Zertifikat bekamen, wurde der Prozentsatz der zu erfüllenden Kriterien erhöht. Die ersten Prädikate sollen Anfang 2015 vergeben werden und drei Jahre lang gültig sein. Auch andere Bundesländer beschäftigen sich derzeit mit dem Thema und überlegen, ebenfalls ein Zertifikat einzuführen.

Jens Löbel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) findet, dass "auch das nicht reicht". Der Gewerkschaftssekretär ist der Meinung, "es muss sich komplett etwas ändern". Auszubildende dürften nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Vielmehr gehe es darum, sich dem Auszubildenden zuzuwenden und ihm aktiv etwas beizubringen. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) befürwortet das Ausbildungszertifikat. "In Zeiten des Nachwuchsmangels ist es mehr denn je wichtig, in die Ausbildungsqualität zu investieren", sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

10. September 2014

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