Vapiano soll Mitarbeiter betrogen haben

Foto: Vapiano
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Schwere Vorwürfe gegen die Restaurantkette Vapiano: Schichtleiter an mehreren Standorten sollen die Stundenzettel ihrer Mitarbeiter zugunsten des Unternehmens manipuliert haben.

Im vergangenen Jahr legte Vapiano mit der Bewirtung von insgesamt 37 Millionen Gästen das beste Geschäftsjahr des Unternehmens hin. Außerdem stieg der Umsatz auf rund 385 Millionen Euro. Im Personalbereich scheint es allerdings nicht ganz so gut zu laufen. An verschiedenen Standorten, unter anderem im Süden Deutschlands, in Berlin und in Hessen, sollen Schichtleiter regelmäßig die Stempelzeiten ihrer Mitarbeiter manipuliert haben. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, gingen die Manipulationen zulasten der Mitarbeiter.

Investition von sechsstelligem Eurobetrag in Zeiterfassungssystem

Derartige Vorfälle sind nun aus selbst betriebenen Filialen des Unternehmens bekanntgeworden. Teils betreibt Vapiano die Restaurants in Eigenregie, teils mit Franchise-Partnern oder als Joint Ventures. Neben den Vorwürfen der manipulierten Stempelzeiten sollen auch die Arbeitszeiten von Auszubildenden nachträglich verändert worden sein. Dies wurde gemacht, damit es so aussah, als hätten die Azubis nur so viel gearbeitet, wie in ihrem Vertrag festgelegt. Tatsächlich sollen die Auszubildenden allerdings teilweise fast doppelt so viel gearbeitet haben. Durch die Manipulationen wollten einige Manager den Gewinn ihrer Restaurants erhöhen. Per eidesstattlicher Versicherung sagten nun sechs ehemalige Angestellte aus, die Zeiten entweder selbst gekürzt oder dies mitbekommen zu haben.

Das Unternehmen selbst spekuliert darauf, dass es sich um Versehen handele. Meist würden pro Tag nur ein paar Minuten heruntergerechnet und die nicht bezahlte Arbeitszeit belaufe sich monatlich nur auf ein bis zwei Stunden. Über alle Filialen hinweg können jedoch stattliche Beträge zusammenkommen. Allerdings unterstreicht das Unternehmen, dass es keine Kenntnis davon hat, wenn es in Einzelfällen vorgekommen sei.

„Es gibt keinen Grund für etwaige Tricksereien“

Vapiano wird diese Geschäftspraxis nicht tolerieren und möchte nun einen sechsstelligen Eurobetrag in ein neues Zeiterfassungssystem investieren. Außerdem soll es in Zukunft einen Ombudsmann geben, bei Mitarbeiter anonym Beschwerde einreichen können. Drittens habe Vapiano die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit einer „konsequenten und rückhaltlosen Untersuchung“ beauftragt, so heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Chef Gregor Gerlach betonte, dass Vapiano ohnehin mit einem für die Gastronomie sehr hohen Personalkostenanteil von 35 Prozent arbeite und es daher auch „eigentlich gar keinen Grund für etwaige Tricksereien bei Arbeits- und Stempelzeiten“ gebe.

07. Juli 2015

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