Vapiano soll vergammeltes Essen verkauft haben

Foto: obs/Vapiano SE/VAPIANO

Die Pasta-Kette Vapiano hat erneut mit Vorwürfen der Medien zu kämpfen. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, soll Vapiano vergammeltes Essen verkauft haben.

Ein Fall, der an den Burger-King-Skandal des vergangenen Jahres erinnert: Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, soll die Pasta-Kette Vapiano vergammeltes Essen verkauft haben. Damit hat das Unternehmen erneut mit Vorwürfen seitens der Medien zu kämpfen. Erst vor vier Monaten wurde bekannt, dass Vapiano seine Mitarbeiter betrogen hat: Schichtleiter verschiedener Filialen sollen die Stundenzettel ihrer Mitarbeiter zugunsten des Unternehmens manipuliert haben.

Ehemalige und aktuelle Angestellte von Vapiano sollen der "Welt am Sonntag" nun verraten haben, dass in einzelnen deutschen Filialen gegen unternehmensinterne Frischestandards verstoßen worden sei. In vielen Vapiano-Restaurants seien Lebensmittel umetikettiert worden. Dabei wurde das Haltbarkeitsdatum verschiedener Produkte nachträglich verändert. In den betroffenen Filialen, darunter Restaurants in Berlin, Hannover, Frankfurt am Main, München und Köln, seien die vom Unternehmen selbst gesetzten Mindesthaltbarkeitsdaten verlängert worden.

Immer wieder beklagten sich Kunden in einigen Restaurants über merkwürdig riechende Lebensmittel. Manche gingen sogar einen Schritt weiter und wiesen darauf hin, dass die Speisen nicht mehr appetitlich waren. Das wurde der "Welt am Sonntag" von zehn aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens bestätigt. Die Berichte scheinen vor allem deshalb sehr vertrauenswürdig, da die zehn Personen unter eidesstattlichen Versicherungen und teilweise vor der Kamera aussagten.

"Der Kunde merkt das nicht, da kommt ja Soße drüber"

Auch auf Fotos, die der WELT-Redaktion vorliegen, erscheint die Sache klar: Darauf ist zu sehen, wie Mitarbeiter Haltbarkeitsdaten überkleben - einmal bei frischer Pasta, einmal bei Rindercarpaccio. „Die Nudeln, die wir verkauft haben, hatten manchmal einen grünlichen Schimmer“, so ein Mitarbeiter aus München gegenüber der "Welt am Sonntag". „Der Kunde merkt das nicht, da kommt ja Soße drüber“, so der Mitarbeiter weiter. Ein weiterer, ehemaliger Mitarbeiter einer Filiale in Hannover sagt, dass das Hühnchen, welches er verkaufte, oftmals „eklig" roch. Auch berichtet dies ein ehemaliger Mitarbeiter aus Frankfurt. „Da hat dann mein Chef gesagt: Mach einfach den Wok heißer, dann schmeckt man es nachher nicht mehr.

Wie Vapiano-Chef Jochen Halfmann mitteilte, „widersprechen“ die Medienberichte „in jeder Hinsicht unserer Haltung.“ Den Anschuldigungen wolle man nachgehen, dennoch sieht sich das Unternehmen nicht unter Generalverdacht. „Für uns arbeiten mehrere Tausend Menschen – womöglich machen Einzelne Fehler, systematischer Betrug hat bei uns aber kein Zuhause.“ Externe Autoritäten wie der TÜV Rheinland, so Halfmann, bestätigen Vapiano immer wieder „enorm hohe Qualitätsstandards“. „Wir hätten nicht 60.000 Gäste täglich – allein in Deutschland, die immer wieder gern zu uns kommen“, heißt es weiter, „wenn es bei Vapiano so zuginge wie es der Artikel glauben lassen will“.

Außerdem verwies Vapiano, das weltweit über 161 Filialen verfügt, auf die „außergewöhnlich hohen internen Qualitäts- und Kontrollstandards“, die vom TÜV und vom SGS Institut Fresenius bestätigt worden seien. „Es entzieht sich meiner und unser aller Vorstellungskraft, dass es solche Fälle bei Vapiano aktuell trotz allerstrengster Vorschriften und Kontrollen geben soll“, erklärte Vapiano-Chef Jochen Halfmann.

Keine eindeutige Rechtslage

Die Rechtslage bezüglich solcher Anschuldigen ist in Deutschland recht diffizil. Laut deutschem Recht dürfen Gastronomen abgelaufene Lebensmittel grundsätzlich noch verkaufen. Das gilt vor allem für Haltbarkeitsdaten, die ein Unternehmen, wie bei Vapiano der Fall, selbst setzt. Gesetzliche Vorgaben, wie lang ein Restaurant aufgetautes Fleisch oder frisches Gemüse verkochen darf, gibt es nicht. Das gab das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bekannt.

Trotz der erneut auftretenden Anschuldigungen der Medien möchte Vapiano seinen Vormarsch fortsetzen: Bis Ende 2016 will das Unternehmen weltweit auf rund 200 Restaurants wachsen.

02. November 2015

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